Abgefahren

Die Sonne erscheint als grosse rote Kugel am Horizont. Es ist wunderschön zu sehen, wie der Tag erwacht. Eine Gazelle schaut verträumt umher, rechts daneben einige Zebras, welche in aller Gemütlichkeit ihren Hunger stillen. Das sich von hinten ein kleiner Löwe anpirscht, sehen nur wir. Die Hyänen lachen ihr hämisches Lachen und das Warzenschwein lässt einen fahren, dass sich die Balken biegen. Lauthals beschwert sich das kleine Erdmännchen und stolziert selbstbewusst davon. Die Gräser der Savanne tanzen Ballett, während der Pavian seinen Hintern präsentiert. Afrika – ein Kontinent der fasziniert. Höö? Ich hab gedacht, die fahren ans Nordkap!?

Zwei Wochen zuvor.

Abgefahren – der Zeitpunkt des Starts ist da.  

Bei wunderbarem Wetter, starten wir am 26.05.2022 unsere Reise gen Norden. Um uns gebührend zu verabschieden, säumt unsere Nachbarin den Hauseingang mit Berner Wappen und winkt uns hinterher. Die erste Etappe führt uns von Bern über den Hauenstein ins 94km entfernte Kaiseraugst. In Mattstetten machen wir einen kurzen ersten Halt, um uns von meiner Schwester und ihrer Familie zu verabschieden. 

Dass wir den höchsten Punkt der Reise bereits am ersten Tag erreichen, finden wir ebenfalls etwas abgefahren. Nach kleineren Anpassungen des Materials und einer Stärkung im Tea Room Bieri in Niederbipp kann unser erster und einziger Passaufstieg erfolgen. 

Wir kämpfen uns von Balsthal auf die Passhöhe vom oberen Hauenstein auf 734 m.ü.M. Bis zur Eröffung der Autobahn A1, war diese Strasse die wichtigste Verbindung zwischen Solothurn und Basel. Schon fast oben angekommen, erkenne ich, dass jemand unsere Namen mit Kreide auf die Strasse geschrieben hat. Wie bei der Tour de Suisse werden wir gefeiert. Nur, wer hat sich wohl eine solche Überraschung ausgedacht? Suchend schaue ich mich umher. Im Wartehäuschen des Poschis sitzen Simons Eltern und warten darauf, dass wir sie entdecken. Wie kleine Kinder die Verstecken spielen, grinsen die beiden hinter der Glasscheibe hervor. Überraschung zu 100% gelungen. Wir verabreden uns zum Nachtessen in Kaiseraugst. Sie werden mit dem Poschi anreisen, wir mit dem Fahrrad. Am Abend verraten die häufigen Gähner seitens Simon und mir, dass unsere Körper bereits was geleistet haben. Es liegt also weniger an der guten Gesellschaft.

Die ersten Tage folgen wir dem Rhein entlang nach Norden. Ein schöner, aber ziemlich anspruchsloser Radweg führt uns bis in die Nähe Frankfurts. Pro Tag radeln wir im Schnitt ca. 85km. Wir entscheiden relativ spontan wo es uns gefällt, ob wir die Kraft haben weiterzufahren oder ob uns der Gegenwind zu stark ins Gesicht bläst. Da wir uns fit fühlen und der Wind es ebenfalls gut mit uns meint, legen wir kurzerhand zwei Etappen zusammen und erreichen Frankfurt nach 114km einen Tag früher als ursprünglich vorgesehen.

Dort nisten wir uns nach Nächten im Zelt wieder einmal in einem Hotelzimmer ein. Wir lassen die Möglichkeit nicht ungenutzt und erholen uns im Wellnessbereich eines Fitnesscenters. Dank unserem schweizer Fitnessabo geniessen wir die Vorzüge auch in Deutschland. Die müden Muskeln spüren wir besonders beim Treppensteigen. Der Po aber, der ist (noch) nicht k.o.

Nach dem wohlverdienten Ruhetag gehts weiter in Richtung Hannoversch Münden. Ein idyllischer Erholungsort mit vielen gut erhaltenen Fachwerkhäuser, welche uns sehr beeindrucken. Wir fahren der Weser entlang, staunen ob der schönen Landschaft und verschlucken uns schon mal an einer neugierigen Fliege. Proteine to go, quasi. Wir sehen Feldhasen davon hoppeln und flitzen neben grasenden Rehen vorbei. Die Radwege in Deutschland sind unglaublich gut ausgebaut. Auch dank unserem treuen Freund, dem Garmin-Navi ist das Navigieren  gemäss Simon ein Kinderspiel. Nur selten verfahren wir uns um einige Meter. Und wenns doch mal passiert, seis drum. „Hakuna Matata“ – die Sorgen bleiben dir immer fern.

Während unser mehr oder weniger weitgereistes Material langsam den Geist aufgibt (der Campingkocher hustet, Simons Schlafmatte ist kaputt und bei seinem neuen Rad sind Schrauben abgebrochen), nähern wir uns in vielen Umdrehungen der Hansestadt Hamburg. Dort wollen wir Lösungen für unsere Probleme finden. Auf dem Weg ans Nordkap machen wir aber erstmal einen Abstecher auf einen anderen Kontinenten. Zugegeben, wir wählen nicht den direktesten Weg. 

Oh, du schönes Afrika. In 2,5h wird uns ein gesamter Lebenszyklus vor Augen geführt. Fressen und gefressen werden. Circle of life halt. Wir geniessen die Vorstellung des „König der Löwen“-Musicals und staunen einmal mehr, wie uns Musik, Gesang und Schauspiel innert Kürze in den Bann ziehen.

Ob wir unsere Sorgen los geworden sind, liest du im nächsten Beitrag. 

Bis dahin: Hakuna Matata!

teile den Artikel:

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

4 Antworten

  1. Wenn Ihr dann auf dem rückweg seid, Lust und Zeit habt, seid Ihr herzlich eingeladen, bei uns zu Übernachten und was sonst noch dazu gehört! Wir würden uns freuen!!

    1. Hallo zusammen! Vielen lieben Dank. Leider reicht uns die Zeit nicht auch noch, um den Rückweg mit dem Fahrrad zu machen. Wir winken euch dann aber vom Flugzeug aus zu 🙂

  2. Hallo ihr zwei Lustigen,
    Ich habe wieder einmal eure Website besucht und vieles gesehen. Macht Spass euch zwei online zu verfolgen. Ich wünsche viel Erfolg….bis gleich….smu

  3. Soo schön wieder eure Reiseberichte zu lesen. Wir reisen in Gedanken mit und schicken einen kräftigen Rückenwind dicki Umarming us Rotkrütz vo da -Männer und -Fraua

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

– lies mehr –

Ähnliche geschichten