Santa Clara

Unser nächstes Ziel ist Trinidad. Ein über 500 Jahre altes Städtchen, welches mit bunten Häusern und viel Musik Touristen aus aller Welt anlockt. In der Nähe des „Plaza Mayor“ treten allabendlich verschiedene Bands auf, um ihr kubanisches Repertoire zum Besten zu geben. Dank ebenfalls allabendlichem Niederschlag wagen wir uns jedoch nicht ausser Haus und verpassen somit eine der wohl schönsten Sehenswürdigkeiten in Trinidad.

Die Aussicht über die Stadt lassen wir uns aber nicht entgehen. Wir verlassen das touristische Zentrum in Richtung Radiostation. Trotz bedecktem Himmel perlen uns bereits nach kurzer Zeit die Schweisstropfen von der Stirn, dem schwülen Wetter sei dank. Es scheint, als würde sich kaum je ein Tourist an diesen Ort verirren. Oben angekommen wiederlegt der nette Herr, welcher uns in Empfang nimmt, unsere Einschätzung. Stolz erklärt er uns, dass er häufig Besuch von Auswärtigen erhalte. Nebenbei bietet er uns um 10 Uhr morgens ganz selbstverständlich einen Mojito oder Cuba Libre an. Dankend lehnen wir ab, schliesslich wollen wir die Aussicht ohne Schwips geniessen.

Wenige Tage später sitzen wir im Bus nach Santa Clara, eine in der kubanischen Revolution nicht ganz unbedeutende Stadt. Warum?

Die Amerikaner behandelten Kuba vor der Revolution 1959 als Aussenhandelsposten im Golf von Mexiko. Zwei Drittel der kubanischen Exporte gingen nach Amerika, während rund 80% der Importe aus den USA stammten. Die Abhängigkeit war also vorprogrammiert.
Den Kubanern selbst blieb nicht viel, die Armut und der Nationalstolz führten schliesslich dazu, dass die Zustimmung der Bevölkerung, die aktuelle Regierung zu stürzen, entsprechend gross war.

Ernesto „Che“ Guevara (übrigens gebürtiger Argentinier) war zur rechten Zeit am rechten Ort. Während er in Mexiko City gemeinsam mit Fidel Castro Zigarren rauchte und Rum trank, schmiedeten sie Pläne um die Regierung unter dem Diktator Batista zu stürzen und den Menschen so aus der Armut zu helfen. Bildung, Essen und ein funktionierendes Gesundheitssystem standen dabei als Ziele im Vordergrund.

Ende Dezember 1958 kam es in der strategisch wichtigen Stadt Santa Clara zwischen der Rebellenarmee unter dem Kommando von Che Guevara und den Soldaten des Batista Regimes zum Schlagabtausch. Nachdem Guevara gemeinsam mit 18 weiteren Kämpfern einen mit Munition und Waffen beladenen Zug zum entgleisen brachte, wurden die zahlenmässig weit überlegene Regierungsarmee zur Kapitullation gezwungen. Am 1. Januar 1959 floh der Diktator Batista schliesslich aus Kuba.

Kein Wunder also, ist Santa Clara voller Che Statuen und Monumenten. Che ist allgegenwärtig. Während unseres Aufenthaltes nehmen wir uns ebenfalls Zeit für einen Museumsbesuch. In der Denkmalanlage, welche seit 1997 die sterblichen Überreste Ches beherbergt, erfahren wir, dass der Revolutionär ein durchschnittlicher Schüler war. Dem Zeugnis zu folge hat er sich für Geschichte interessiert, Schönschreiben war jedoch eher weniger sein Fall.

Zurück in Havanna wollen wir die andere Seite der Stadt erkunden. Nach einer alibimässigen Sicherheitskontrolle gelangen wir zur Fähre. Simon erklärt mir, dass diese Vorsichtsmassnahmen eingeführt wurden, nachdem vor wenigen Jahren einige Optimisten versuchten, dass Schiffchen zu kapern um damit nach Miami zu gelangen.

Bei der grossen Cristo Statue werden wir von Fidel Castro angesprochen, einem Mann der für Recht und Ordnung sorgt. Wir haben es wohl mit einem sehr humorvollen Kubaner zu tun, denke ich mir als er sich vorstellt und wissen will, woher wir kommen. Dass auf seinem Personalausweis, welcher er uns sogleich unter die Nase hält, tatsächlich Fidel Castro geschrieben steht, überrascht uns schliesslich doch. Ebenso die Tatsache, dass er in Windeseile einen Schweizer Franken aus seiner Hosentasche zieht. Während ich kurzzeitig an der Echtheit der Münze zweifle, spielt Simon bereits eifrig Wechselstube. Unsere letzten Schweizer Franken konnten wir in Prag loswerden, dass wir ausgerechnet in Kuba wieder heimisches Geld beziehen, hätten wir beide nicht gedacht.

Am nächsten Tag heisst es Abschied nehmen von einem bunten und lauten Land, welches uns immer wieder beeindruckt hat. „Uns hat Kuba ganz und gar nicht gefallen“, „die Menschen liegen faul herum und beschweren sich“, diese und ähnliche Sätze hören wir, als wir Kubareisende zuvor über ihre Erlebnisse im Inselstaat befragen. Uns wird überraschend oft von schlechten Erlebnissen erzählt. Von Kubanern, welche die Touristen regelrecht abzocken. Doch wir machen andere Erfahrungen. Uns begegneten die Menschen stets freundlich und hilfsbereit, wir hatten nie das Gefühl übers Ohr gehauen zu werden.

Nicht einmal von den Taxifahrern: „Taxi? Airport, Taxi? Good price!“, ruft uns ein Chauffeur hinterher, als wir vollbepackt Richtung Busstation spazieren. Simon dreht sich um und erkundigt sich (spasseshalber), ob eine Fahrt zum Flughafen für umgerechnet 5 Rappen möglich sei. Der Taxifahrer gröhlt, hält den Daumen nach oben und wünscht uns eine gute Fahrt, wohl wissend, was wir im Schilde führen. Wenig später sitzen wir im Stadtbus, den es nach offiziellen Angaben nicht gibt, in Richtung Flughafen. Denn unser nächstes Abenteuer wartet bereits..

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