Wir betreten unser nächstes Transportmittel vollbeladen mit unseren Rucksäcken und mit einem grossen Haufen Vorurteile. Zu gross, zu viel, zu snobby und überhaupt nicht unser Stil, schiesst es mir einmal mehr durch den Kopf als wir im Eingangsbereich eintreffen. Tatsächlich befinden wir uns an Bord eines Kreuzfahrtschiffes, welches uns auf dem Seeweg über Nacht von Mexiko nach Kuba bringt. Günstiger als fliegen und erst noch bequemer. 1075 Kabinen für insgesamt 2680 Passagiere – man könnte sagen, wir schippern in einem schwimmenden Wohnblock dem Inselstaat entgegen.

Freundlich werden wir von unzähligen Crewmitgliedern an Bord willkommen geheissen. Das Lächeln schier breiter, als das Gesicht überhaupt. Der Grossteil der 750 Besatzungsmitglieder trägt ein Namensschild auf dem ebenso die Nationalität vermerkt ist. Wir freuen uns besonders über das Lachen des aus Bali stammenden Kellners, als wir ihm in Indonesisch antworten.

Bevor wir unsere Kabine beziehen können, erhalten wir Anweisungen zu den nächsten Besammlungen. Nebst der bürokratischen Ausreise aus Mexiko steht eine obligatorische Sicherheitsübung für alle Neuankömmlinge an. Vorher haben wir aber noch etwas Zeit diesen schwimmenden Koloss zu erkunden.

Marmor, Teppich und Spiegel wohin das Auge reicht. Casino, Spa, Fitnesscenter, Minigolfanlage, Disco und Theater, alles vorhanden.
Ich bin überwältigt von all dem und fühle mich wie in einer grossen Blubberblase. Auf dem Oberdeck fallen uns nebst den sonnengeröteten Körpern vor allem die verschiedenen Pools auf. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Dies gilt übrigens auch beim Essen. Die Versorgung der Passagiere ist ohne Frage eine logistische Meisterleistung. Wir wollten doch nur einen kleinen Mittagshappen essen, sind aber ob diesem Überangebot total überfordert. Besonders beim Gedanken an unsere nächste Destination, fällt mir das Geniessen schwer.

Am frühen Abend ist es schliesslich soweit. Mit den Rettungswesten bepackt, marschieren wir in Richtung Theater wo die obligatorische Sicherheitsübung ansteht. Uns wird erklärt, was in einem Notfall zu tun ist und wo sich der Treffpunkt zum Besteigen der Rettungsboote befindet. Bei dieser Massenabfertigung muss natürlich alles sorgfältig geplant werden. Uns fallen die Boote sofort auf. Nicht nur die Anzahl beeindruckt uns, vielmehr ist es (einmal mehr) die gewaltige Grösse welche uns staunen lässt. Manch ein Fischer würde sich wohl über ein solches Boot freuen…

Vor dem Abendessen geniessen wir eine einstündige Tanzshow unter dem Motto „Dirty Dancing“. Bevor die Artisten ihr Bestes geben, schaue ich mich jedoch noch etwas im Publikum um. Entgegen meinen Erwartungen ist der Saal nicht bloss mit Rentnern gefüllt. Im Gegenteil. Junge Pärchen schmachten sich an, Kinder grölen. 
Und einmal mehr: Vorurteile sind wichtig, jedoch bloss… Vor-urteile.

Am nächsten Tag erreichen wir Havanna. Bei der Gepäckausgabe fällt uns erneut auf, dass wir nicht so richtig in diese Welt passen. Geduldig warten die beiden Rucksäcke zwischen all den Rollkoffern auf unser Erscheinen und fallen, wir sind ehrlich, ziemlich aus dem Rahmen.


4 Kommentare

  1. Marion Dieringer 1 Jahr vor

    Hallo Marilyn, genau dieses Übersetzen haben wir auch vor – mangels Fähre. Wie und wo hast du denn das gebucht? Danke Marion

    • Marilyne Autor
      Marilyne 1 Jahr vor

      Liebe Marion
      Wir haben die Überfahrt bei MSC über die europäische Webseite gebucht. Auf einer amerikanischen Homepage ist diese Kreuzfahrt nicht zu finden. Ich hoffe, das Glück steht auf eurer Seite, denn leider gibt es nicht viele Fahrten von Mexiko nach Kuba. Herzliche Grüsse (link )

  2. Madlen Schneider 2 Jahren vor

    Marilyne, ä Chrützfahrt isch sehr cool u erhousam, gniessets! Was mi jedes Mau fasziniert – äs isch wie äs Dorf u funktioniert! 🙂 Liebi Grüess Madlen

    • Marilyne Autor
      Marilyne 2 Jahren vor

      Uhuu Madlen..wir nutzten die Kreuzfahrt bloss als Überfahrt (1 Nacht), erholen war also nicht angesagt:-) Beeindruckend ist es allemal, auch wenn es nicht meine Welt ist! Herzliche Grüsse aus Kuba.

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