Das Wasser schimmert in den unglaublichsten Blautönen. In einer Intensität, wie wir es wohl selten gesehen haben. Die Sonne strahlt vom Himmel und setzt den schmalen Holzsteg ins beste Licht. Ein Bild, wie man es aus dem Werbeprospekt kennt. Ein Bild, welches uns an die Malediven erinnert oder an den Hirschengraben in Bern – wo bei Globus Reisen ein überdimensionales Bild die Wand schmückt. Oder zumindest vor knapp zwei Jahren geschmückt hat.

Mexikanische Familien bringen ihre Styroporboxen mit ans Wasser und gönnen sich ein Bier nach dem anderen. Nebenbei beobachten sie ihre Kinder, die wie wild im Wasser plantschen.
Bacalar ist auch bei den Einheimischen ein beliebtes Wochenendausflugsziel. Der langsam abfallende Grund aus weissem Sand bietet dafür beste Verhältnisse, denn so kommen auch Nichtschwimmer zu ihrer Abkühlung.
Auch wir gönnen uns einen Sprung ins erfrischende Nass. Ich fühle mich wie in einem überdimensionalen Plantschbecken, denn die Lagune von Bacalar ist vom Meer abgetrennt und besteht aus reinstem Süsswasser. Es ist ein Gefühl, an welches ich mich erst ein wenig gewöhnen muss. In meinem Gehirn ist eine derartige Wasserfarbe fest mit dem Meer verknüpft.

Wir sind also wieder zurück in Mexiko, diesmal an der Ostküste – der touristischsten Ecke des ganzen Landes. In der Heimat der Cenoten. Ein Kalksteinloch, welches sich mit Süsswasser gefüllt hat. Mehr als 1000 solcher Cenoten befinden sich auf der Halbinsel von Yucatan. Viele davon sind unterirdisch miteinander verbunden. Wir lernten diese Höhlensysteme bereits im Dezember 2014 kennen, als wir im Rahmen unserer Tauchausbildung sechs Wochen in Playa del Carmen weilten. Wie damals überrascht mich auch heute in Bacalar das kristallklare Wasser und die beeindruckende Vegetation welche die Cenote umgibt.

Wir kehren auch auf dieser Reise nach Playa del Carmen, die am schnellsten wachsende Stadt von Mexiko, nach einigen Quellen sogar der ganzen Welt, zurück. Es überrascht uns dementsprechend nicht gross, hat sich das eine oder andere verändert. Die Masseurinnen, die mit ihrem typischen „¿Hola sigñor, masaje?“-Ruf auf Kundenfang gehen, sind geblieben. Ebenso die jungen Männer, die mir unentwegt Cannabis andrehen wollen. Sie lassen sich vom ganzen Polizeiaufgebot anscheinend nicht gross beirren, denn dieses hat seit dem letzten Besuch deutlich zugenommen.

Die Amerikaner, welche die Stadt als Feriendestination eingenommen haben, wie die Deutschen Mallorca, brauchen wohl ihr Sicherheitsgefühl. Mich schreckt es jedoch immer noch ab zu sehen, wie Polizisten in Vollmontur mit dem Finger am Abzug des Maschinengewehres durch die sonnenbadende Menschenmenge patrouilliert. Sie haben die Mariachis ersetzt, welche dass bei unserem letzten Besuch gemacht haben. So verbringen wir die letzten Tage mit meinen Eltern, geniessen den Pool, das Meer und eine gewisse Vertrautheit.

Nach fünf Wochen sind wir plötzlich wieder alleine unterwegs. Es zieht uns auf die Isla Mujeres, eine kleine, vorgelagerte Insel vor Cancun. Hier gibt es eine Sehenswürdigkeit, welche wir gerne sehen möchten. 2009 wurde ein Unterwassermuseum mit über 500 lebensgrossen Statuen geschaffen. Ein steinerner VW-Käfer, ein Haus oder eben Statuen nach mexikanischen Vorbildern auf dem Grund des Meeres. Umschwärmt von Fischen. Bilder dieses Museums haben sich in meinem Kopf eingeprägt.

Während wir am Strand sitzen, mit einem (scheusslichen) Limettensaft den Sonnenuntergang beobachten, formuliere ich im Kopf schon eine schöne Einleitung des Museums für diesen Bericht. Dank dem anhaltend, starken Wind und den damit verbundenen Wellen, bleibt der Kleinboothafen während unserem ganzen Aufenthalt auf der Insel geschlossen. So bleibt uns der Besuch des Museums und euch die Einleitung bis auf weiteres verwehrt. Die Insel wird von Touristen überschwemmt, welche eine Tagestour von Cancun unternehmen. Nicht wenige davon machen mit den gemieteten Golfwagen und den ersten Fahrversuchen die Strassen unsicher. Ausser dem weissen Sandstrand an der Nordspitze der Insel gibt es keinen Grund länger als nötig zu bleiben.

Ganz anders sieht es auf der anderen Insel aus, die wir besuchen. Holbox, eine Sandinsel, auf der eine Attraktion omnipräsent ist: Walhaie. Jedes noch so kleine Restaurant scheint hier Touren anzubieten, um mit diesen Giganten schnorcheln zu gehen. Für uns unvorstellbar, wie es hier in der Hauptsaison zu und her gehen muss. Zum Glück haben wir die faszinierenden Tiere bereits in La Paz auf der anderen Seite von Mexiko gesehen, denn einmal mehr erwischen wir die Nebensaison – ohne Walhaie.

Es ist dementsprechend entspannt in Holbox. Die einzigen Boote, welche vor der Küste tuckern, gehören den lokalen Fischern. Den Tagesfang gibt es später zum Abendessen in einem der vielen Restaurants. Es ist der perfekte Ort, um sich zu entspannen, trotzdem vergeht die Woche wie im Flug. Daran ist auch Linda beteiligt, welche wir in Guatemala kennengelernt haben. Auf ihrem Weg nach Kuba macht auch sie den Zwischenstopp auf der Insel und verbringt einige Tage mit uns.

Es ist für mich ein Rätsel, weshalb es Menschen gibt, die nach einer erfolgreichen Landung eines Flugzeugs applaudieren. Vielleicht ist es ein Dank an den Piloten, dass er seinen Job gemacht hat, aber muss man applaudieren, wenn die Sonne untergegangen ist? Gut gemacht, bis morgen? Unglaublich, aber genau so haben wir das an unserem letzten Abend auf der Insel erlebt..

Wir kehren zurück nach Playa del Carmen. Passend zur Semana Santa – der Osterwoche. Es kommt uns vor, als hätten sich alle Mexikaner und Amerikaner hier versammelt. Es ist ein Spiessrutenlauf über die „Quinta“, der Hauptachse der Touristen. Wirklich flanieren geht hier nicht mehr. Ob die Polizisten am Strand noch patrouillieren können, scheint mir unwahrscheinlich, denn der Platz dazu ist schlicht nicht mehr vorhanden.
So verbringen wir ein Grossteil unserer Zeit in einem Café, beobachten Touristen oder geniessen unser kleines Appartement während wir uns auf die weitere Reise vorbereiten.


1 Kommentar

  1. Rupp 2 Jahren vor

    Hoi Simon, ein wunderbarer Bericht von Dir es ist immer wieder eine Freude die Berichte zu lesen. Wünsche euch weiterhin gute Reise und tragt Sorge bis Ihr eines Tages wieder in eurem Heimatland ankommt. Liebe Grüsse aus der Schweiz wo es wieder kälter wird; dass heisst das noch einmal Schnee geflogen kommt, Brrrrrrrrrrrrr gute Reisezeit euch beiden und bis bald Tschüsssssssss
    Jürg und Esther

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