Wiedersehen mit den Weltenbummlern

Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir Simon und Marilyne in Bangkok verabschiedet, wir freuen uns ja so und sind entsprechend gespannt, sie in Antigua Guatemala wiederzusehen. Vom Flughafen fahren wir per Taxi direkt zum vereinbarten Hotel. Die beiden sind schon da, beobachten unsere Ankunft und kommen gleich zur Tür hinaus auf die Strasse zur Begrüssung. Auch im Hotel werden wir freundlich lachend empfangen, das sind sie nun also, die „padres“ von Simon. Ja, den beiden geht es wirklich gut, sind ja mittlerweile routinierte Traveller und führen uns gleich zurück ins Zentrum dieser farbigen und freundlichen Stadt.

Nachdem uns im Flugzeug nur eine Minimalverpflegung offeriert wurde und Simon und Marilyne auch schon ein paar Stunden im Bus verbracht haben, gehen wir gleich mitten am Nachmittag den gröbsten Hunger stillen. Simon macht uns sofort mit dem Wichtigsten unseres Gastlandes vertraut und beim Bestellen staunen wir beide über ihre Spanischkenntnisse. Während wir in unserem Hinterhirn nach einfachsten Wörtern suchen, sprudeln bei den Jungen gleich ganze Sätze raus.

Insgesamt bleiben wir vier Nächte in unserem Hotel, von hier aus erkunden wir die belebte Stadt zu Fuss. Schon am ersten Morgen steht Cerro della Cruz zur Besteigung an. Diesen Aussichtspunkt haben wir bereits von der Dachterrasse aus gesehen. Auf einer blitzsauber gewischten Treppe geht es bergauf zum grossen Kreuz im Norden der Stadt, wo wir uns einen Überblick über die rechtwinklig angeordneten Strassen mit dem Parque Central in der Stadtmitte verschaffen. Dahinter erhebt sich der mächtige Volcáno Agua (3700 müM). Er sieht aus wie unser Niesen, hat auch einen Hut, das Wetter bleibt also gut.

So eine Vulkanbesteigung müssten wir schon noch machen, das ist uns allen klar. Wir entscheiden uns für eine Tour am nächsten Tag auf den angeblich weltweit aktivsten, den Pacaya. Am Abend, als wir fürs Nachtessen aufbrechen, sehen wir von blossem Auge rotes Licht auf einem Berg. Ist das jetzt wirklich Glut eines Vulkans? Wir zweifeln, glauben es aber erst, als es am nächsten Morgen in der Zeitung steht: Eruptionen mit fliessender Lava am Volcáno de Fuego.

Wir sind also schon eingestimmt aufs Thema, als wir am Nachmittag den Bus besteigen. Nach mehr als einer Stunde Fahrt erreichen wir den Start unserer Tour. Leider sitzen wir im Nebel, vom Vulkan ist nichts zu sehen. Der Guide macht uns aber Hoffnung, dass wir die Nebelobergrenze doch noch erreichen könnten. Das erinnert uns doch stark an Magglingen im Herbst! Wir steigen durch den üppigen Regenwald hoch und halten mit dem flotten Tempo des Guides gut mit, was allerdings nicht auf alle Teilnehmer zutrifft.

Nach einer Weile erscheint wirklich die Sonne, allerdings eher als blasse Scheibe. Es geht weiter hoch, jetzt auf Asche und Lava vom letzten Ausbruch. Der Kraterrand tritt nun plötzlich aus den Wolken, die Sicht wird immer besser und gegen Abend hören wir auch das Grollen und das Geräusch von fliessender Lava. Entzückt sehen wir immer wieder das Speien aus dem Krater und verstehen jetzt, warum der Aufstieg auf etwa 2000 Meter über Meer endet. Mit dem Abstieg kommt auch die kurze Dämmerung und bald kommen die Stirnlampen zum Einsatz.
Als wir müde und staubig wieder in Antigua eintreffen, gibts zum Znacht echte Älplermakkronen „chez Christophe“, einem Schweizer Wirt, der sich vor 20 Jahren hier niedergelassen hat. Wie schön ist doch nachher die Dusche im Hotel, die alle schwarzen Spuren beseitigt. Am nächsten Tag ist wieder chillen angesagt.

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