Unbelizeable

Der Wind weht, das Meer ist aufgewühlt. Am Strand liegen Berge von Seegras, die der Hotelangestellte eher schlecht als recht beseitigen kann. Er macht keinen Hehl daraus, dass es Sisyphusarbeit ist und reinigt den Strand selten länger am Stück.

Nicht nur wegen den abendlichen Temperaturen, sondern wegen lästigen Viechern tragen wir abends häufig lange Kleider. Sandfliegen fühlen sich hier in Hopkins richtig wohl. Nicht gerade die feine Art, sich auf uns zu stürzen, wenn wir uns vom Reisen in Guatemala etwas erholen möchten.

Tage zuvor wurden wir von Tikal mit einem Taxi an die Grenze zu Belize gefahren. Kaum ein Grenzübertritt war derart markant zu spüren, wie dieser zwischen Guatemala und Belize. Die Sprache wechselt schlagartig vom Spanischen ins Englische, dies ist jedoch nicht der einzige Unterschied wie wir später bemerken.

Wir werden von allen anwesenden Grenzwächtern herzlichst empfangen und nach unseren Reiseplänen befragt. Nicht nur einmal wird erwähnt, dass wir ein gutes Bild von ihrem Land mit nach Hause nehmen sollen. So fährt uns ein Taxichauffeur ins nahe gelegene San Ignacio, schwärmt von seinem Land und erzählt nebenbei, dass die Tochter von Donald Trump eben hier zu besuch war. Naja, nicht dass uns das sonderlich beeindrucken würde, aber es scheint, als fühle sich Belize irgendwie mit den USA verbunden. Ohne mit der Wimper zu zucken, akzeptiert der Taxichauffeur indes auch die 20 US-Dollarnote als Bezahlung.

In einem Restaurant bemerken wir erneut, dass ein Grossteil der einheimischen Besucher dunkelhäutig ist. Unter den europäischen Kolonialmächten wurden viele afrikanische Sklaven ins Land gebracht, welche bis heute zusammen mit den Mayas und Kariben die Bevölkerung prägen.

Wir kommen mit Linda ins Gespräch, die bis vor kurzem als Touristenführerin gearbeitet hat. Sie ist erfreut darüber, dass wir nicht, wie viele andere, mit einem Privattransport sondern mit den lokalen Bussen reisen wollen. So strahlt sie übers ganze Gesicht, zeigt ihre weissen Zähne und meint keck: „Ah die Busse, die fahren schnell in Belize“. Interessiert hackt Marilyne nach: „Also schnell…gefährlich schnell?“ – „Nein, schön schnell!“

In der Tat, es wäre eine Schande, nicht mit den hiesigen Bussen zu fahren. Denn diese sind zuverlässig und pünktlich. Ein Umsteigen in der Hauptstadt Belmopan ist dementsprechend einfach. Doch an eine Hauptstadt erinnert in der Umgebung des Busbahnhofes reichlich wenig. In einem Reiseführer lesen wir dazu: „Was will man in Belmopan? – Umsteigen“. Für einmal halten wir uns an die Empfehlung und besteigen den nächsten Bus, welcher uns an die Karibikküste bringt.

Schnell, aber eben, nicht gefährlich sondern schön schnell, kurvt der bunte, amerikanische Schulbus über die überraschend gut ausgebaute Strasse des Hummingbird-Highways. Mit offenen Fenstern, Wind in den Haaren und Reggaemusik in den Ohren, geniessen wir die Fahrt. Den Blick stets auf die üppig grüne Landschaft gerichtet. Dabei kommen wir voll auf unsere Kosten, denn nicht weniger als 70% der Landfläche ist übersät mit dichtem Tropenwald. Aus unseren Tagträumen werden wir erst gerissen, als eine Einheimische lautstark eine Moralpredigt über Gott und die Bibel hält. Wir sind dankbar als wir kurze Zeit später die Kreuzung von Hopkins erreichen.

Hopkins, ein kleines Dorf, in welchem die Garifunakultur am Weitesten verbreitet ist. Die Garifunas, eine Mischung aus afrikanischen Sklaven und den Kariben, besitzen nebst ihrer eigenen Kultur ebenso eine eigene Sprache, die zur Authentizität des Dorfes trägt beiträgt.  Wären da nur nicht die Supermärkte, welche fest in chinesischen Händen sind.

Ansonsten gibt es nicht all zu viel zu tun in Hopkins. Der schöne Strand lädt zum Baden ein, das Wetter leider nicht immer. So kommt es, dass wir den ein oder anderen Tag im Zimmer mit Schlafen, Lesen oder Kartenspielen verbringen und uns den Körper im Kampf gegen die Stiche der Sandfliegen wund kratzen.

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