Caye Caulker

Caye Caulker, eine paradiesische Koralleninsel nordöstlich von Belize City, ist für die nächsten Tage unser neues Zuhause. Nach einer 45-minütigen Überfahrt mit dem Wassertaxi erreichen wir die wunderbare Insel. Geteerte Strassen? Fehlanzeige! Stattdessen Hängematten und Kokospalmen wohin das Auge reicht. Autos gibt es keine, als Transportmittel dienen Golf Carts oder Fahrräder. Uns erinnert hier einiges an die Insel Gili Air in Indonesien, denn auch auf Caye Caulker scheint „no shoes, no shirt“ kein Problem darzustellen. „Go slow“ ist das hier gängige Motto. Selbst der Taxichauffeur am Flughafen lässt sich nach der Ankunft einer Maschine nicht aus der Ruhe bringen. Uns Bernern fällt dies natürlich ebenso leicht.

Wir geniessen die Sonne, die friedliche Stimmung und die Entschleunigung. Zum Abendessen sind wir mit Luis, dem Ecuadorianer Ex-Freund von Simons Schwester, verabredet. Wie der Zufall es so wollte, trafen wir ihn ein zweites Mal in Belize City.

Gut erreichbar mit dem öffentlichen Bus, etwa in der Hälfte zwischen Belize City und der Hauptstadt Belmopan, befindet sich der Belize Zoo. Gemäss Reiseführer „ein Zoo für Leute, die keine Zoos mögen“. Dieser wurde 1983 gegründet und hatte ursprünglich den Zweck, eingefangenen Wildtieren nach dem Abschluss von Dokumentarfilmen ein neues Zuhause zu bieten. Mittlerweile werden verwaiste Tiere aufgenommen, deren Lebensraum durch den Menschen oder das Feuer zerstört wurde. Es sind nicht nur Tapire, Jaguare oder Eulen, welche uns mit grossen Augen anschauen, auch Tukane oder Leoparden sind bestens vertreten. Insgesamt 170 Tiere, 45 Arten, allesamt einheimisch, beherbergt der grösste Zoo Belizes. Heute dient er vor allem auch dazu, der einheimischen Bevölkerung die Tierwelt in deren natürlichen Umgebung näher zu bringen. Die Flora ist übrigens ebenso beeindruckend wie die Fauna. Während wir durch den Tierpark schlendern haben wir eher das Gefühl Teil einer Dschungelexpedition zu sein, als Besucher eines Zoos.

Die Lernstunde geht weiter, als wir im Auto von Ernie sitzen. Dieser hat uns nach dem Zoobesuch am Highway aufgegabelt, nachdem ein Express Bus neben uns vorbeigerauscht ist. Er brauche Gesellschaft und wir eine Mitfahrgelegenheit, meint er freundlich.

„Wir sind quasi der Futternapf von Belize“ meint Ernie mit einem Augenzwinkern, während er seinen weissen Chevrolet zügig über den Highway steuert. Wir, damit meint er die Farmen seiner und dreier weiteren Gemeinden, welche die Menschen von Belize mit Lebensmitteln versorgen. Die Siedlung „Spanish Lookout“ in der Ernie zuhause ist, besitzt rund 20’000 Schweine und um die 80 Kühe. Deren Milch wird in der nahegelegenen Fabrik „Western Dairies“ zu Joghurt, Käse oder, wie einige behaupten, zur weltbesten Glacé weiterverarbeitet. All dies erzählt uns der etwa 40-jährige Mann in Jeans, Hemd und Baseballmütze nicht ganz ohne Stolz. Wie sich kurze Zeit später herausstellt, sitzen wir in einer etwas sehr modernen Kutsche eines Mennoniten.

Mennoniten sind geschichtlich eng mit den Amischen oder Hutterern verbunden. Nach Verfolgungen in Europa zog es die Menschen in Teile Osteuropas oder Nordamerikas. Äusserlich fallen sie durch den konservativen Kleiderstil auf. Während die Männer Strohhüte, Latzhosen und Bärte tragen, sind es bei den Frauen lange Röcke. Die Mennoniten leben streng nach den Geboten der Bibel und lehnen jeden Fortschritt ab. So zumindest meine Vorstellung.
Ernie belehrt uns jedoch eines Besseren. Auf meine Frage, wie es genau um die modernen Hilfsmittel steht, antwortet er lachend: „Meinst du so etwas?“ und zückt sein Smartphone aus der Hosentasche. Auf der einstündigen Fahrt lernen wir einiges über die verschiedenen Gemeinden der Mennoniten in Belize kennen. Einige wenige Gemeinschaften lehnen auch heute noch den modernen Lebensstil ab und schwören auf Pferdestärke und Handarbeit.
In der Gemeinde von Ernie ginge es jedoch ohne maschinelle Hilfe nicht, schliesslich ist diese der Futternapf von Belize.

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