Von La Paz nach Mazatlán

Von La Paz nach Mazatlán

Was für eine Freude. Das erste mal seit langer Zeit können wir unser Ladekabel wieder ohne Übergangsstecker benutzen. Wir sitzen auf der Fähre von La Paz nach Topolobampo und es scheint als wäre diese ein europäisches Modell. Eben erst mussten wir uns einer Sicherheitskontrolle unterziehen, welche einem Security Check an einem Flughafen in Nichts nachsteht. Ein stämmiger Security will in unsere Rucksäcke schauen, will wissen woher wir kommen und wie lange wir bereits unterwegs sind. Bei der Antwort meint er, sich verhört zu haben und fragt nochmals nach: „1.5 Jahre?“ – Eh däich!

Nach dieser Information stellen wir wohl keine Gefahr für die Crew und Passagiere mehr dar. Wir dürfen den Rucksack packen, einmal mehr, haben ja schon etwas Übung darin. Stolz darf ich verkünden, dass dies auch bei mir mittlerweile ohne fluchen klappt.

Nach einer Überfahrt von etwa sechs Stunden erreichen wir den Hafen von Topolobampo um 21.30h bei strömendem Regen. Wie genau wir weiter kommen wissen wir bei der Ankuft nicht. Was wir aber wissen, so abgenutzt es klingen mag, ist: Es gibt immer einen Weg. Unser Ziel ist die 30 Kilometer entfernte Stadt Los Mochis. Busse fahren entgegen einer Information im Internet keine mehr. So stellen wir uns unter eine Laterne am Strassenrand und erregen bereits beim ersten Automobilisten Mitleid. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle dem passenden Wetter. Der ältere Herr und seine Begleiterin chauffieren uns direkt bis vor unsere Residenz. Dankend und mit guten Wünschen fürs kommende Jahr, verabschieden wir uns und fallen kurze Zeit später in einen Tiefschlaf.

Los Mochis war für uns lediglich eine Zwischenstation, denn mittlerweile sind wir in El Fuerte. Ein kleines Städtchen mit bunten Häusern und freundlichen Menschen. Um unsere hungrigen Mägen nach einem Stadtrundgang etwas zu beruhigen setzen wir uns zum zweiten Mal zu unserem Taco-Mann des Vertrauens. Unter dem Dach des kleinen Holzhäuschens steigt Rauch und der Duft nach gegrilltem Fleisch auf. Der Herr hat auch heute wieder alle Hände voll zu tun. Als wären wir seit Jahren jeden Mittag bei ihm zu besuch, begrüsst er uns und vergewissert sich: „das Gleiche wie gestern?“.

Hier kann man sich als Tourist definitv nicht mehr verstecken, einmal mehr sind wir die Exoten. So kommt es, dass wir bei der Nahrungsaufnahme die neugierigen Blicke einer mexikanischen Familie auf sicher haben. Etwas pikanter wird die Angelegenheit, als uns der Grillmeister ungefragt zwei Jalapeños, scharfe Chilischoten, entgegen streckt. Hinter dem Rücken der Mutter kichern die beiden Mädchen bereits und schauen uns neugierig zu. Die Vorstellung, dass wir den Essstand mit Schweissperlen, roten Köpfen oder einem Hustenanfall verlassen, bringt selbst mich zum Lachen. Nun denn, wir geben uns keine Blösse, beissen in die Schoten und können die Erwartungen der Zuschauer so gar nicht erfüllen. Asien sei dank, sind wir mittlerweile wohl schärferesistenter als auch schon.

Bepackt mit unseren Rucksäcken stehen wir am Bahnhof in El Fuerte. Es ist acht Uhr und das Perron ist voller einheimischer und ausländischer Touristen. Mein Bauchgefühl meldet beim Anblick dieser Menschenmenge grosse Bedenken. Mir schwant Böses. Simon beruhigt mich mit der Aussage, dass wir alles menschenmögliche gemacht haben um an Fahrkarten zu kommen. Tatsächlich, vor etwa zwei Wochen haben wir die Bahngesellschaft angeschrieben um Tickets zu reservieren, doch auf eine Antwort warten wir noch heute. In Los Mochis haben wir bei einem Büro nachgefragt. Die freundliche Dame meinte, es sei kein Problem die Billette direkt im Zug zu kaufen.

Wenn doch nur alles so einfach wäre. Die Feiertage sind zwar schon lange passé, die Nachfrage hat angesichts der Menschenmasse aber offensichtlich nicht nachgelassen. Blöd nur stehen ausgerechnet wir ohne Tickets da. Der letzte Funken Hoffnung schwindet, als ein Angestellter mit Mikrofon den Schienen entlang marschiert und die Neuigkeiten verkündet. Erstens seien keine Fahrkarten mehr erhältlich und zweitens fahre der Zug aufgrund eines Problems auf der Strecke lediglich bis nach Divisadero. Ein Raunen geht durch die Menge. Das wars dann wohl.

Gerne hätte ich über den „el Chepe“ geschrieben. Über den Zug welcher auf dem Weg von der Pazifikküste bis ins Hochland der Sierra Madre über 37 Brücken und durch 86 Tunnel fährt. Ich hätte über eine Bahnfahrt welche als eine der aussergewöhnlichsten der Welt gilt und über einen Canyon der zwar grösser als der Grand Canyon jedoch nicht annähernd so bekannt ist, berichtet. Enttäuscht begeben wir uns zurück zum Hotel um unsere Pläne anders oder neu zu schmieden. Simon telefoniert mit der Bahngesellschaft um Billette für den nächsten Tag zu reservieren, da diese aber in den nächsten zwei Tagen ausgebucht sind und eine Eröffnung der Strecke nicht absehbar ist, muss wohl eine andere Lösung her. Auch wenn er noch so anders ist, es gibt schliesslich immer einen Weg.

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