Mexico City

Im Vorfeld erkundigen wir uns, welches die besten Quartiere zum Übernachten wären. Denn Mexico-City, eine der grössten Städte der Welt, hat nicht unbedingt den sichersten Ruf. Wir entscheiden uns für eine Unterkunft in der historischen Altstadt. Viele schöne Ecken sind so einfach zu Fuss zu erkunden.

Die Grösse der Stadt kriegen wir bereits in den ersten Minuten zu spüren. Fast eine halbe Stunde fährt unser Bus durch den immer zunehmenderen Verkehr, bis wir den Busbahnhof „Mexico Norte“ erreichen. Der aber liegt immer noch fast 10 Kilometer von unserem Hostel entfernt. Den Plan mit einem Stadtbus bis ins Zentrum zu gelangen, verwerfen wir beim Anblick des Verkehrs rasch wieder. Schliesslich gibt es in der Hauptstadt ein gut ausgebautes U-Bahnnetz. Obwohl es wohl Angenehmeres gibt, als sich mit einem grossen Rucksack in der Stosszeit in die Metro zu quetschen. Als die Menschen nach dem Umsteigen wie Sardinen in die Büchse gequetscht werden, wird es uns etwas ungeheuer. Links Menschen, rechts Menschen. Dass die meisten deutlich kleiner sind als ich, macht es nicht nur angenehmer. Schliesslich will ich niemanden zerquetschen, doch bewegen kann ich mich eh kaum mehr.

Eine Frau neben mir schaut plötzlich auf den Boden, hebt das gemusterte Etwas auf und streckt es mir entgegen. Was zum Teufel? Da lag doch tatsächlich mein Pass am Boden. Marilyne greift instinktiv an ihre Seitentasche der Hose – und schaut mich schockiert an. Ihr Pass ist weg! Wir sind uns einig, dass das Gequetsche reines Ablenkungsmanöver war und die Stadt wohl gerade ihrem Ruf gerecht wurde.

Wir sitzen in unserer wohl ersten Juniorsuite unseres Lebens. Die Beine irgendwie noch zittrig von dem eben erlebten Vorfall. Plötzlich wird man misstrauisch gegenüber jedem. Das zumindest realisieren wir, als wir durch einen belebten Park gehen um zum antropologischen Museum zu gelangen. Hier wird die Geschichte der Völkergruppen Mexikos in beeindruckender Art dargestellt. Beeindruckend ist auch das Ausmass des Museums. Von der Entstehung der Menschheit bis zur heutigen Kultur wird in 23 Räumen alles fein säuberlich dokumentiert. Jeder Raum ist jedoch fast ein Museum für sich. Kein Wunder bei einer Museumsgrösse von fast 80’000 Quadratmetern. Spätestens nach dem sechsten Raum beginnen sich für uns die Kulturen und deren Schätze immer mehr zu vermischen und zu ähneln. Wir geben nach 2.5 Stunden auf und geniessen die Sonne im Innenhof des modernen Gebäudes.

Mit mulmigem Gefühl steigen wir wieder in die Metro. Doch diesmal läuft alles etwas gesitteter ab. Kein Wunder, wir befinden uns unabsichtlicherweise in einem Teil der Metro, welcher nur für Frauen und Kinder vorgesehen wäre. Polizisten an den Stationen sorgen normalerweise dafür, dass sich auch alle daran halten. Mich haben sie wohl übersehen. Unser Weg führt uns durch ein Quartier, in welchem wir uns Nachts lieber nicht bewegen möchten, bis wir urplötzlich die typische mexikanische Musik hören. Auf dem „Plaza Garibaldi“ versammeln sich tagtäglich die Mariachis. Etwa 10 Musikgruppen befinden sich auf dem Platz – allesamt in wunderschönen, klassischen Outfits – und versuchen für Passanten ein Ständchen zu spielen. Wir nutzen die Gunst der Stunde, sitzen (wiedereinmal) auf einer Sitzbank und schauen dem Treiben zu. Dass direkt am Platz auch das Museum für Tequila und Mezcal liegt, ist wohl purer Zufall. So sammeln sich für uns die Inbegriffe Mexikos an einem Ort.

Im Umkreis von Mexiko-Stadt befinden sich viele Sehenswürdigkeiten. So auch Teotihuacán, einst eine der grössten Städte der Welt. Zwischen 100-600 Jahre nach Christus beherbergte die Stadt um die 200’000 Einwohner. Als die Azteken die Stadt entdeckten, war diese schon verlassen und weitgehend zerstört.
Als wir mit dem Bus bei der Ruinenstadt ankommen, stehen wir vor einem riesigen Gelände. Wie eine Hauptstrasse führt die „Avenida de los muertos“, die Strasse der Toten, von Süden nach Norden, direkt zum Tempel des Mondes. Im rechten Winkel dazu liegt die monströse Sonnenpyramide. Wir können uns nur zu gut vorstellen, was eine solche Entdeckung bei den Azteken ausgelöst haben muss. Kein Wunder, haben sie in dieser Stadt etwas Mysthisches gesehen. Sie benannten die Ruinen schlussendlich als Tēotīhuacān – was so viel bedeutet wie „Wo man zu einem Gott wird“.

In der Tat fühlen wir uns fast wie die Herrscher der Stadt, als wir oben auf der mächtigen Sonnenpyramide stehen. Sie ist mit ihren 65 Metern Höhe und einer Grundfläche von 222 x 225m die drittgrösste Pyramide der Welt. Von der obersten Etage bietet sich für uns ein fantastischer Ausblick über die gesamte Anlage. Obwohl die Sonne auf die karge Ebene brennt, verkaufen die vielen Souvenirverkäufer jeweils dieselben Jaguarflötten, Masken oder Tücher. Wir fragen uns, weshalb wohl niemand erfrischende Getränke verkauft. Wir wären wohl nicht die einzigen, die ihnen ein eisgekühltes Getränk abgekauft hätten.

Auf dem Rückweg haben wir ein kleines Déjà-vu. Etwa zur selben Zeit wie am ersten Tag steigen wir an der Haltestelle „Hidalgo“ um. Marilyne hat sich im Internet schlau gemacht. Die besagte Haltestelle ist für Diebstähle berüchtigt, wenn möglich, wird davon abgeraten, sie zu nutzen. Uns bleibt fast keine andere Wahl. Doch geprägt von den ersten Vorkommnissen, verhalten wir uns entsprechend vorsichtig und verlassen die U-Bahn unbeschadet.

Wie zum Glück schon am ersten Tag. Denn mit einem Pass konnte wohl niemand etwas anfangen. So lag auch Marilynes Reisedokument etwa zwei Meter von unserem Standort entfernt am Boden der Metro.

2 Kommentare

  1. Rupp 3 Jahren vor

    Hoi zäme Dir Reisefüdli;-)
    heit grad e chli Action gah i dere Metro, Gott sei Dank heit Dir Reisedokumänt wieder alli bi nang!!!!!! I dänke das hät de grösseri Problem gäh. Isch wieder wunderbar gschriebe Simu Action, spannig u tolli Erläbnis was wotme vo dehne Brichte no meh?????? 🙂 🙂 Lg Gruess us dr chalte Schwiz Esther u Pa

  2. Michael Glauser 3 Jahren vor

    Ja… Mexico City scheint nicht „ohne“ zu sein.
    Bei mir kam schon beim Lesen eures Artikels ein zeitweise mulmiges Gefühl auf. Denke auch dass es Orte in dieser Riesenmetropole gibt wo man besser nicht hingeht!
    Aber bestimmt ein interessantes Land im Ausnahmezustand.
    Take good care… beim auskundschaften!
    Lg aus Bern Michu

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