Monument Valley bis Grand Canyon

Monument Valley bis Grand Canyon

Ein mehr oder weniger bekannter schweizer Mundartsänger gab in einem seiner Lieder einst zu bedenken, dass es keine Indianer mehr gäbe. Es sei nichts mehr so, wie es mal war. Was mit den indianischen Völkern in der Vergangeheit passiert ist, darf keinesfalls schöngeredet werden. Aber sind wir mal ehrlich, wo ist es denn noch so wie früher? In einem Punkt muss ich dem Rocker klar widersprechen. Denn ich habe sie mit eigenen Augen gesehen, ja sogar mit einem getanzt. Die Navajo-Indianer gelten mit rund 300’000 Stammesangehörigen als der bevölkerungsreichste Indianerstamm Nordamerikas. Dieses Volk ist es auch, welches im Monument Valley zu Hause ist und hier seine Traditionen pflegt. Hier ist der Westen der USA immer noch wild. Das gesamte Gebiet liegt in den Händen der Navajo und wird durch sie verwaltet. Dass sie die einheimischen Pflanzen nach wie vor für viele verschiedenen Dinge benutzen, erfahren wir bei dem 2-stündigen Ausritt zu Pferd. Mit einem Navajo-Indianer, vier Pferden und einem Hund geniessen wir die Gegend. Schon bei etlichen (Wildwest-)Filmen diente die interessante Landschaft als Kulisse und auch die bekannten Werbefotos des Zigarettenherstellers Marlboro entstanden hier. Beeindruckt von der Region begeben wir uns zurück zum Visitorcenterparkplatz, welcher aufgrund des Monument Valley Marathons rappelvoll mit Laufwütigen ist.

Die grauen Wolken liegen hartnäckig über der kleinen Stadt Page. Die Sonne spielt gekonnt verstecken. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, denn heute möchten wir uns in einen der nahegelegenen Canyons stürzen. Die Gegend rund um Page ist für einige von der Natur geschaffenen Orte bekannt, unter anderem auch für den Antelope Canyon. Hier wurden beispielsweise Desktopbilder von Apple und Microsoft geschossen. Es sind diese in orange- und rottönen gehaltenen Bilder. Aufgrund des tristen Wetters überlegen wir lange, ob wir die Tour verschieben und tags darauf vorbei kommen wollen. Denn die Wetterprognose verspricht am nächsten Tag Sonnenschein. Trotzdem verlassen wir uns auf den Ratschlag einer Navajoindianerin. „Morgen? Nein, da regnets!“, meint sie nach kurzer Überlegung bestimmt. So dauert es nicht lange und wir stehen bewaffnet mit der Kamera im Lower Antelope Canyon. Malarie, unser Tourenführerin, erzählt uns viel über den Canyon und dessen Entstehung. Es scheint, als kenne sie diesen Ort so gut wie ihre eigene Hosentasche. Kein Wunder, denn bereits ihr Vater war als Guide im Antelope Canyon unterwegs. Da jederzeit die Gefahr von Sturzfluten besteht, ist das Betreten des Canyons ohne Guide strengstens untersagt. 1997 kamen bei sogenannten Flashfloods elf Touristen ums Leben. Wir verlassen den Canyon jedoch unbeschadet und mit unzähligen Fotos auf der Speicherkarte.

Der nächste Morgen offenbart die Wahrheit. Fabienne öffnet die Vorhänge und draussen regnets wie aus Kübeln. An eine Tour im Antelope Canyon wäre bei diesen Wetter nicht zu denken, zu gross wäre die Gefahr einer Überflutung. Erfreut über die am Vortag getroffene Entscheidung starten wir in den Tag. Wir verlassen Page mit dem Zwischenziel Horsshoe Bend. Ich würde diesen als die Aareschlaufe Amerikas bezeichnen. Mit dem kleinen Unterschied, dass es sich beim Fluss der sich hindurchwindet nicht um die Aare, sondern um den Colorado River handelt. Dieser ist es auch, welcher über Jahrmillionen die unzähligen Schluchten in das Gestein des Grand Canyon gegraben hat. Der Nationalpark begrüsst uns mit winterlichem Wetter. Zum Regen gesellen sich von Zeit zu Zeit einige Schneeflocken hinzu, der Canyon ist vom dichten Nebel eingelullt. Erst am nächsten Morgen sehen wir das Naturwunder in voller Pracht. Die Grösse des Canyons ist ebenso beeindruckend wie die verschiedenen Farben. Während wir der Südkante entlang schlendern, bieten sich allerhand Möglichkeiten furchteinflössende Erinnerungsbilder zu schiessen. So kommentieren mehrere amerikanische Besucher unser Vorhaben als geisteskrank oder lebensmüde. Seis drum.

Zwei Tage später sitzen wir im Josephines Bistro in Flagstaff und nippen bereits um 11.00 Uhr an einem Glas Rotwein. Wir sind jedoch weder lebensmüde noch geisteskrank. Wir sind lediglich sowas wie in Feierlaune. Zum Abschluss unserer Reise mit Fabienne feiern wir nämlich Thanksgiving mit einem traditionellen Truthahn.

1 Kommentar

  1. Rupp 3 Jahren vor

    Hallo zäme, i dänke das dr Simon u Line,öier Bekannte, Schwöschtere u so de no es Buech wärdet schribe über di Wältreis oder e Vortrag für d Öffentlechkeit ha. Mir gfalle di Biträg immer, si würklech mega schön. Häbets no guet u blibet gsung. Lg Esther u Pa❤❤❤

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