Los(t) Angeles, die Stadt der Gefallenen?

Los(t) Angeles, die Stadt der Gefallenen?

Während Jimmy James genüsslich an seiner Crack-Pfeiffe zieht, marschieren wir zügig durch sein Schlafzimmer. Wir wollen ja nicht stören. Es riecht nach Urin und Undefinierbarem. Die Innendekoration lässt zu wünschen übrig. Verstreute Kleiderfetzen und Burgerverpackungen lassen so gar keine Gemütlichkeit aufkommen. Vom ganzen Glamour und dem „Sehen-und-gesehen-werden“ ist nicht mehr viel übrig. Während hier die Randständigen um ihr Leben kämpfen, deckt sich die High-Society zwei Blocks weiter in angesagten Modeboutiquen ein. Im September letzten Jahres wurde in Los Angeles sogar der Ausnahmezustand ausgerufen. Zu diesem Zeitpunkt lebten rund 26’000 Menschen, meist Afroamerikaner, auf der Strasse. Ob das Obdachlosenproblem ein Rassismusproblem ist, sei dahingestellt. Das die USA in Bezug auf diese Thematik in einer wahnsinnigen Krise steckt, ist bei diesem Anblick aber wohl jedem klar.

Eine Krise ist auch der schlechte Strassenzustand, welcher hier den Schönen und Reichen zugemutet wird. Wenn diese am Ende einer Stadtrundfahrt nicht aussehen wollen, wie der Struwwelpeter himself, ist ein Stylingprodukt der Stärke 5 oder ein trendiges Chäppli wohl Pflicht. Ein besonders holpriger Weg führt uns entlang des berühmten Mulholland Drives. An der kurvenreichen Strasse reiht sich eine Villa an die nächste. Wer hier wohnt, hat Geld und vorgesorgt: Um nervige Paparazzis oder ungebetene Gäste abzuhalten, sind die meisten Zufahrtsstrassen mit einem meterhohen Zaun abgesperrt. Von den Überwachungskameras ganz zu schweigen.

Die Buchstaben des Hollywood Signetes gehören wohl zu den meist fotografierten Lettern der Welt. Auch wir lassen es uns nicht nehmen, die langweiligen, weissen Buchstaben abzulichten. Wahrzeichen ist schliesslich Wahrzeichen. Es reist ja auch kaum jemand nach Paris um ohne Foto des Eiffelturms nach hause zu kommen. Voilà! Um das Touriprogramm noch etwas zu vervollständigen statten wir dem „Walk of fame“ auch einen kurzen Besuch ab. Hier teilen sich Grössen wie Johnny Sepp, Jennifer Trapez, David Klapperfeld und wie sie alle heissen die Sternchenwelt. Über 2500 Sterne in den Kategorien Musik, Film, Fernsehen, Theater und Radio wurden bereits verliehen. Wer hier seinen Namen wiederfindet hat es wohl geschafft in Hollywood. In den Universal Studios, der Geburtsstätte vieler erfolgreicher Hollywood-Filme, lernen wir eine Menge über die Filmbranche. Wir schauen Tiertrainern bei ihrer Arbeit über die Schultern und besuchen Harry Potter in Hogwarts oder die Simpsons in Springfield. Es ist beeindruckend, wie wir mit 4D-Simulationen in komplett andere Welten eintauchen.

Kurze Zeit später steht uns aber erneut die Realität bevor. 57 Tage gehören bereits wieder der Vergangenheit an. Der Zeitpunkt ist gekommen um uns von Neil, dem gemieteten Alien-Van, welcher stets die Blicke auf sich zog, zu verabschieden. Ein letztes Mal passieren wir die vollgestopften Strassen von Los Angeles. So traurig es ist, aber an den Anblick eines Autounfalls haben wir uns beinahe schon gewöhnt. Aufgrund der Fahrweise der Amis erstaunt uns diese hohe Anzahl an Unfällen nicht.

In der Vermietstation lernen wir Eva, Heiner und Malou kennen. Dass wir mit den Dreien noch bis nach San Diego fahren und beim Bruder von Eva und seiner Familie spontan zum Abendessen reinschneien, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch keiner. Ganz so herzlich wie Eva, Heiner und co. empfängt uns San Diego nicht. Während wir am nächsten Tag mit den eben neugewonnen Freunden beim Mittagessen am Strand sitzen, pfeift uns der Wind fies um die Ohren. Während uns Antje, eine Freundin der Beiden, unsere Beobachtungen in Bezug auf den Fahrstil der Amerikaner bestätigt, kämpft in der Sonnenstube Kaliforniens die Sonne doch tatsächlich mit den Wolken. Was wir tags darauf erleben, gehört wohl zu den selteneren Momenten im Südwesten der USA, denn Kalifornien hat seit Längerem ein anhaltendes Dürreproblem. So freuen wir uns mit den Menschen in San Diego über den eben gefallenen Regen.
Nebenbei bemerken wir, dass nicht nur die Begrüssung, sondern auch die Verabschiedung des Festlandes ins Wasser gefallen ist..

 

Marilyne
liebt Curry in allen möglichen Variationen und zaubert selbst dem seriösesten Security-Mann ein Lächeln ins Gesicht..

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