Von den Salt Flats ins Tal des Todes

„Ochsenfleisch wird nachgesagt, einen kräftigen Geschmack zu besitzen. Ich kann dem nicht zustimmen. Das Stück Fleisch, welches vor mir liegt, schmeckt geschmacklos und öde. Öde ist auch die Umgebung. In dieser Gegend sind Wasser und Bäume rar. Das Holz welches wir in den Flammen verbrennen, stammt von unseren Karren. Das Fleisch, das wir bruzeln ebenso. Es ist eine Überlebensmassnahme. Wir wollten doch bloss eine Abkürzung durchs Tal nehmen und jetzt Illinois 217 find phone , jetzt kämpfen wir ums Überleben!“.

Unsere Wüstentour starten wir in der Nähe von West Wendover, ein kleines Städtchen an der Staatsgrenze zwischen den Bundesstaaten Nevada und Utah. Hier geht es schnell zu und her. Fährt man über die Staatsgrenze verfliegt die Zeit im Nu. Auf der anderen Seite befinden wir uns nicht nur in einer anderen Zeitzone, sondern auch in der Nähe der Bonneville Salt Flats. Eine Salzwüste, die dank ihrer Ebenheit und Grösse häufig für Temporekorde genutzt wird. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs ist von der Salzwüste allerdings nicht viel zu sehen. Die gesamte Fläche spiegelt sich als See wieder, das Salz ist mehrheitlich aufgeweicht. Wohl oder übel müssen wir auf Bilder à la „Salar de Uyuni“ verzichten. Die Enttäuschung noch etwas im Hinterkopf, machen wir uns auf in Richtung Tal des Todes.

Gerne hätten wir uns in einem Saloon in Rhyolite etwas Erfrischendes gegönnt. Dafür sind wir aber rund hundert Jahre zu spät dran. Einst lebten in dieser Stadt am Eingang zum Death Valley über 10’000 Einwohner. Die Geisterstadt, wie sie häufig genannt wird, entstand nach einem Goldfund 1904. Knapp 15 Jahre später waren die Goldvorkommen ausgebeutet und die Menschen verliessen die Stadt nach und nach. Der Niedergang Rhyolites erfolgte so schnell, wie der Aufstieg. Heute sind bloss noch wenige Ruinen von Schulen, Banken oder Bahnhöfen übrig. Und einige kuriose Geistergestalten. Diese wurden von einem belgischen Künstler in den 80er Jahren angefertigt und sind nun die letzen ständigen Bewohner der Stadt.

Das Death Valley liegt uns zu Füssen. Ein Tal der Extremen. Hier ist es am Heissesten, am Trockensten und am Tiefsten von ganz Nordamerika oder gar der Welt. Doch wie um Himmels willen erhält ein Tal solch einen furchteinflössenden Namen? Wieviele Menschen mussten hier ihr Leben lassen oder ist es womöglich nur ein geschickter Schachzug der Tourismusindustrie? Es gibt einige Theorien und Geschichten über die Herkunft dieses Namens. Wir erleben diesen Ort als wahnsinnig faszinierend und gegensätzlich. Nach der Kälte im Yosemite Nationalpark geniessen wir die warmen Sonnenstrahlen in vollen Zügen. Nebst einigen kleineren Wanderungen statten wir auch dem tiefsten Punkt Nordamerikas einen Besuch ab. Beim Badwater Basin befinden wir uns 85.5 Meter unter der Meeresoberfläche. Den Tag lassen wir bei einem Konzert auf dem Campingplatz ausklingen. Paulie und Georg ein altes amerikanisches Ehepaar laden uns dazu ein. Erst später bemerken wir, dass sich hier einige Veteranen und deren Ehefrauen zusammengetan haben um gemeinsam zu musizieren. Georg begrüsst uns durch die Lautsprecher und meint in gebrochenem Deutsch „Guten Abend“, bevor er einen Klassiker von Johnny Cash anstimmt. Auch wenn nicht jeder Ton sitzt, bewundern wir die alten Menschen. Paulie, Georg und co. musizieren mit einer unglaublichen Leidenschaft und bescheren damit vielen Besuchern einen wundervollen Abend.

Gehen wir zurück zum Lagerfeuer. Zurück zum geschmacklosen Stück Ochsenfleisch. Eine Abkürzung sollte es für die Reisenden von Salt Lake City herkommend, sein. Aus dem Tal finden sie jedoch nicht so schnell wieder. Es sind die eigenen Tiere, die die Gruppe schliesslich verspeisen muss um zu überleben. Über den Wingate Pass schaffen sie endlich die Durchquerung der Wüste. Eine der Frauen soll sich dabei umgedreht haben und: „Goodbye Death Valley“ ins Tal gerufen haben. Der Name, er ist bis heute geblieben.

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