Brisbane und co.

Es ist zum Haare raufen. Nichts klappt so wie wir uns das vorgestellt haben. Wir wollen den Tag nutzen, um Unerledigtes zu erledigen. Meine Schlafmatte, welche sich in Indonesien verabschiedet hat, könne gemäss der Herstellerfirma auch in Australien umgetauscht werden. Wir stehen mittlerweile im vierten Geschäft und auch die lassen uns abblitzen. Sie haben die passende Matte nicht. Wir lassen uns dennoch nicht entmutigen, vielleicht klappts ja in einigen Tagen in Brisbane. Also schlendern wir noch etwas im Städtchen Maroochydore herum. Schlendern ist wohl der richtige Begriff. Es scheint, als wäre Simu zu müde seine Füsse richtig zu heben und schon ists passiert. Es ist zum Haare raufen. Flieg Simi, flieeeeg. In hohem Bogen fliegt er rechts an mir vorbei, flucht, kneift sich die Augen zu. Einen kurzen Moment später verliert er die Gesichtsfarbe. Ich frage ihn ob er sich setzen möchte. Nichts da, während sich der rechte Flip-Flop innert Kürze mit Blut füllt, beisst Simu auf die Zähne. Soeben hat er mit dem grossen Zeh unsanft eine Bordsteinkante geküsst. Nun hängt da ein Hautlappen etwas unmotiviert herum. Damit wir unsere Mission fortsetzen können, verarztet sich Simu in einer Apotheke provisorisch. Erfolgreicher sind wir aber trotzdem nicht. Die Kontaktlinsen, welche ich fürs nächste Jahr benötigen würde, will mir partout niemand aushändigen. Eine Medicard mit sämtlichen Informationen sei erforderlich. Als Alternative bieten sie mir einen Sehtest für AUD 75 an. Dankend winke ich ab. Da gibts bestimmt noch eine alternative Möglichkeit.
Es ist zum Haare raufen. Wirklich. Nun ja, wären da noch welche. Ganz so viel ist von dem Wuschelhaarschopf nämlich nach dem Guafförbesuch nicht mehr übrig. Hipsterschnitt 0815, auch Upper Cut genannt. 5 Milimeter „lang“ sind sie an der kürzesten Stelle. „Ab jetzt ist Shampoo wohl überflüssig“, meint Simu etwas entnervt. Auf die Frage der Frisörin ob er noch Produkte benötige, hätte er am liebsten mit „Ja gerne, ein Toupet wäre noch was“ geantwortet. Nach diesem Spruch erkenne ich den Ernst der Lage nicht sofort, frage ihn ob er das Bild der gewünschten Frisur überhaupt gezeigt habe. „Ja, natürlich“, antwortet er mir schroff. Die Frage ist allerdings mehr als berechtigt, den der Haarschnitt welcher Simu nun trägt, hat nicht das Geringste mit der Frisur des flotten Typen auf dem Foto gemein. Spielt ja keine Rolle hauptsache „hip“. Wir einigen uns darauf, dass ihm die Dame wohl aufgrund ihrer eingeschränkten Fähigkeiten einen solchen Schnitt verpasst hat. Enttäuscht darüber, nichts (oder nichts richtig) erledigt zu haben, machen wir uns zurück zum Campingplatz..

Der nächste Tag beginnt glücklicherweise etwas vielversprechender. Während in der Schweiz wohl Unmengen an Böllern in den Nachthimmel geknallt werden, lassen wirs etwas ruhiger angehen. Für einmal wagen wir uns wieder in den Strom etlicher anderer Touristen. Ganz ungewohnt, schliesslich konnten wir die letzte Zeit die Weiten Australiens mehr oder weniger alleine geniessen. Das an der Ostküste ein anderer Wind weht, haben wir schnell bemerkt. Was solls. Bepackt mit Kamera und Windjacke gehts aufs offene Meer. Wir feiern den 1. August nämlich einmal etwas anders. Gemeinsam mit einer Handvoll Buckelwalen und einem kleinen Delfin. Der Kapitän bestätigt meine Vermutung, dass die Tiere wohl miteinander spielen. Auch wenn wir auf Frauenfürze und 1. August-Weggen verzichten mussten, dieses Erlebnis war sicherlich nicht minder aufregend.

Mittlerweile sind wir in Brisbane angekommen und einmal mehr fällt uns auf: Städte vermögen uns nicht mehr ganz so zu beeindrucken. Da kann die Brücke noch so verdreht sein oder die Bauzeit der Kirche noch so lang. Wahrscheinlich sind wir nicht mehr ganz so aufnahmefähig. Also verbringen wir die meiste Zeit in der Fussgängerzone. Wir bringen uns in Sicherheit und sitzen auf einer Bank während wir Menschen beobachten (übrigens unser neues Hobby). Ich habe keine Ahnung wie sich dieses Trendspiel in der Schweiz so durchschlägt, hier muss man aber mittlerweile aufpassen, dass man in der Fussgängerzone nicht von ein paar wildgewordenen Pokémon-Jägern über den Haufen gerannt wird. Item. Nach dem kleinen aber feinen Amusement wollen wir auf den Glockenturm der City Hall um Brisbane von oben zu erkunden. Da es in Kürze aber 12h schlägt, bleibt uns nicht ganz so viel Zeit. Anna, die nette Dame welche uns mit dem 86-jährigen Aufzug nach oben führt, meint lachend: „Das kann ganz schön laut werden“. Wir haben Glück und erreichen den Vorplatz schliesslich ohne Hörschaden. Gut haben wir etwas Hunger mitgebracht, denn hier befindet sich zur Zeit ein Essmarkt. Einer kulinarischen Weltreise steht somit nichts mehr im Wege. Wir schlagen uns die Bäuch mit Leckereien aus aller Welt voll.

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