Blue Mountains

Unsere letzten Tage sind angebrochen. Zum Glück nicht diese unserer Weltreise. Die letzten Tage jedoch in Australien. Und vorallem jene mit unserem treuen Begleiter. Tja, wer hätte gedacht, dass einem ein Auto ans Herz wachsen kann. Doch wenn einem ein rollendes Zuhause 16’000 Kilometer über gute und schlechte Strassen, durch Sand und Matsch bringt, ohne nur einmal zu murren, dann ist das halt so!

Nun befinden wir uns irgendwo an der Ostküste und können ehrlich gesagt mit diesem Australien nicht mehr viel anfangen. Zu vieles ist für uns auf Konsum ausgelegt. Die berühmten Surfstrände sind zu dieser Jahreszeit nicht wirklich einladend. Zu windig und zu kalt ist das Meer. So geniessen wir häufiger als normal eine wärmende Schokolade oder einen Tee. Tja, auch in Australien ist der Winter manchmal kalt. Umso schöner besitzt unser Campingplatz einen beheizten Pool und eine Sauna. Wieder aufgewärmt spazieren wir am Strand von Emerald Beach entlang und nehmen langsam Abschied von diesem Land. In ein paar Tagen sind wir wieder dauernd zu Fuss unterwegs. Als hätte die Natur unsere Abschiedsgedanken gelesen, stehen oder besser gesagt, kauern, plötzlich 6 Kängurus vor uns. In allen Grössen. Ein grosses Männchen, ein Weibchen mit Nachwuchs im Beutel und Jungtiere. Dahinter ein kitschiger Sonnenuntergang. Doch der wird neben den Tieren zur Nebensache. Nie hätte ich gedacht, dass wir so viele wilde Kängurus in Australien sehen werden! Mit den Koalas haben wir leider nicht ganz so viel Glück. Zwar bekommen wir drei Exemplare zu Gesicht, für ein Foto hängen sie jedoch zu weit oben in den Baumwipfeln.

Mehr Glück haben wir in den Blue Mountains. Die sind ja schliesslich immer da und sind einfach zu finden. Knappe zwei Autostunden von Sydney entfernt, in über 1000 Metern über Meer befindet sich diese Touristenattraktion. Vorallem Chinesen zieht es in einer Tagestour von Sydney her. Die obligaten Stopps lassen wir vorerst sein und geniessen den ersten Tag mit einer kleinen Wanderung zum Baxter Lookout. Der Weg endet abrupt an einer steilen Klippe. Vor uns liegt das mit Eucalyptuswäldern gefüllte Tal. Die ätherischen Öle, welche die Bäume freisetzen, legen sich als blauer Dunst über die Landschaft. Daher übrigens auch der Name der Blue Mountains.

Am nächsten Tag feiert Marilyne ihren Geburstag das erste Mal im Winter. Um dies unvergesslich zu machen, lässt sie es sich nicht nehmen, unsere Windschutzscheibe vom Eis zu befreien. Nach dem fulminanten, einsamen Einstieg in die Natur der Blue Mountains widmen wir uns nun eher der touristischen Seite. Die Three Sisters gilt als die am meisten besuchte Attraktion der Umgebung. Kein Wunder also sammeln sich hier auch die asiatischen Touristen. 900 Stufen führen uns ins Tal, weg von der Menschenmenge. Ganz alleine geniessen wir den Wald und die beeindruckenden Ansichten der Felsformationen. Doch die Ruhe ist von kurzer Dauer, die Talstation des steilsten Passagierzuges der Welt ist erreicht. Ursprünglich diente die Bahn zum Transport der Kohle, welche im Tal abgebaut wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie für den Tourismus freigegeben und im Jahr 2013 komplett neu gebaut. Kurz darauf nehmen wir selber Platz. Die asiatischen Gäste beginnen zu johlen, als das in der Schweiz gebaute Bähnli die steilste Stelle bei 52° Neigung passiert. Zum Vergleich: Die Gelmerbahn im Berner Oberland hat eine maximale Neigung von 48,4°. Trotzdem, im hochmodernen Bähnli von Australien ist der Adrenalinkick wohl deutlich kleiner. Den Souvenirkauf überlassen wir den vielen anderen Touristen und begeben uns lieber zu Kaffee und Geburikuchen in eine nahegelegene Bäckerei.

Dann ist der befürchtete Moment plötzlich da. Die Ankunft in Sydney steht vor der Tür – oder besser gesagt vor der Kühlerhaube. Das erste Mal seit drei Monaten müssen wir wieder unseren Rucksack packen. Das erste Mal seit fast einem Jahr halten wir einen Staubsauger in der Hand, um unseren Campervan zu reinigen.  Wir blicken ein letztes Mal zurück auf unsere Namen, welche auf den sandroten Aussenwänden prangen und stehen wieder auf der Strasse.

Ohne Zuhause. Wieder angewiesen auf den öffentlichen Verkehr.

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