Unterwegs im Red Centre

Die Strecke zwischen Esperance und Ceduna ist eigentlich relativ schnell beschrieben. 1400 Kilometer Nichts. Das interessanteste an den Tagen auf der Strecke ist wohl, dass wir die längste gerade Strasse Australiens befahren. 146,5 Kilometer lang ohne jegliche Kurve. Unser Gefühl verrät uns, dass die Strecken vor und nach den Kurven den Rekord wohl nur knapp verfehlt haben. Die Gegend ist so verlassen, dass selbst Tankstellen eigene Ortsschilder erhalten. Am vierten Tag werden wir von einem Australischen Beamten in Ceduna in Empfang genommen. Hier befindet sich nämlich ein Checkpoint, wie wir ihn schon beim Übergang nach Western Australia passiert haben. Southern Australia, wo wir uns nun befinden, mag nämlich die westaustralischen Fruchtfliegen nicht. Die Einfuhr von Gemüse und Früchten ist deshalb verboten. Nur ein Apfel und eine Limette haben wir übrig. Der Beamte nimmt die Früchte entgegen, wirft noch einen kurzen Blick in unseren Kühlschrank und verabschiedet sich dann ganz australisch mit: „Have a good day, mate“.

Ab sofort befinden wir uns wieder in einer neuen Zeitzone und müssen die Uhr ein weiteres Mal umstellen. Dies tun wir jedoch schon lange nur noch fürs Gewissen. Etwas über 40 Tage sind wir schon „on the road“ in Australien. Das Gefühl für Wochentage und Uhrzeiten haben wir längst verloren, unser Tagesablauf richtet sich nach dem Sonnenlicht oder nach den zurückgelegten Kilometern. Haben wir keine Lust oder Energie mehr weiter zu fahren suchen wir uns einen geeigneten Rastplatz und schlagen unser Nachtlager auf.
Nach weiteren 1000 Kilometern und einem Hygienestopp auf einem Campingplatz sind wir dann endlich am Zwischenziel angekommen. Cooper Pedy befindet sich etwa auf halbem Weg zwischen Adelaide und Alice Springs, irgendwo im Outback. Schon von Weitem sind die vielen Schutthaufen zu sehen, die sich auf der Erdoberfläche auftürmen. Man könnte meinen, tausende Maulwürfe haben sich hier in der Umgebung riesige Luxusvillen gebaut. Schilder weisen darauf hin, dass es von offenen Löchern nur so wimmelt. Alle von Menschenhand ausgehoben. Begonnen hat alles 1915, als ein 14-jähriger Junge den ersten Opal gefunden hat. Schnell kamen Glücksuchende aus der ganzen Welt nach Cooper Pedy und buddelten ihre Löcher in den Boden. Die Aborigines benannten den Ort darauf hin „Kupa Piti“, was in ihrer Sprache soviel bedeutet, wie „Weisser Mann im Loch“. Und der weisse Mann sitzt noch heute im Loch und sucht nach Opalen. Dies erst noch sehr erfolgreich. 95% aller Opale stammen aus Australien, 85% davon aus Cooper Pedy. Kein Wunder sieht die Landschaft aus, als hätte man den Boden einmal komplett umgekrempelt.

Die Bewohner vom Schatzsucherdorf haben gelernt mit den extremen Temperaturen im Outback umzugehen. Da sie sowieso den halben Boden umdrehen, haben sie ihre Wohnungen gleich in den Untergrund verlegt. So herrschen das ganze Jahr über angenehme 22 Grad in den Wohnräumen. Selbst Kirchen wurden in den Felsen gegraben. Während in unseren Breitengraden die Kirchen stets pompös und gut sichtbar im Stadtbild stehen, muss man hier den Eingang regelrecht suchen.
Doch wer Opale im Sinn hat, verschwendet wohl nicht allzuviel Zeit in der Kirche. Der ältere Herr, welcher neben uns vor der alten, für die Besucher wiedereröffnete Opalmine, im Ausbruchmaterial sein Glück versucht, bringt es auf den Punkt. Während seine Frau sich auf den Weg in die Kirche macht, gibt er murrend zu bedenken, dass er jetzt auf der Suche nach Opalen sei und bestimmt nicht in diese Kirche will. So sucht er alleine nach Opalen weiter und wird genauso fündig wie wir. In der Tat halten wir am Schluss vier kleine Steinchen in der Hand die im Sonnenlicht grün-rot schimmern. Ein durchaus erfolgreicher Zwischenstopp, bevor es wieder zurück auf die Strasse geht.

700 Kilometer später werden meine Augen jäh aus dem Reiseführer gerissen. Marilynes kleiner Freudenschrei, der dafür verantwortlich ist, gilt unserem Ziel. Der Uluru, der meist fotografierte Hügel Australiens ist am Horizont aufgetaucht. Eine weitere Nacht ist jedoch nötig, bevor wir ihn definitiv erreichen. Doch unsere Aufmerksamkeit gilt vorerst den sogenannten Olgas, der zweiten Sehenswürdigkeit im Nationalpark. Eine Felsformation, die stets im Schatten des Uluru steht, aber mindestens genau so beeindruckend ist. Unsere Wanderung führt uns vor, zwischen, hinter und über die roten Felsen. Der Boden ist jedoch nicht wie in den Katalogen braunrot, sondern grün. Übersät von Büschen, Bäumchen und Blumen. Nach so vielen Kilometern durch Australien muss ein solcher Tag mit einem schönen Sonnenuntergang vor dem Uluru beendet werden. Leider macht uns das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung und lässt die Sonne gegen Abend hinter einer dicken Wolkenbank verschwinden. So entscheiden wir kurzerhand, den Untergang durch den Sonnenaufgang zu ersetzen. Zum Glück ist der erst um halb Acht morgens.

Dick eingepackt und mit vielen anderen beobachten wir wie sich der Fels langsam erhellt. Dennoch sind wir etwas enttäuscht, denn viel davon liegt nun statt in der Dunkelheit im Schatten.
Wir nutzen die Gunst der frühen Morgernstunde, um uns bei schönem Wetter auf den rund 10 Kilometer langen Basewalk rund um den Uluru zu begeben. Aus der Nähe erhält der Koloss ganz andere Konturen. Der rechteckige Klotz wird plötzlich rund, von Höhlen und Ausbuchtungen zerfressen. Sogar Wasserlöcher, welche ganzjährig gefüllt sind, treffen wir an. Aus Respekt vor dem Heiligtum der Aborigines sollten Teile des Ulurus nicht fotografiert werden. Auch das Besteigen des Berges wird nicht gerne gesehen und trotzdem gibt es einen offiziellen Weg auf den Gipfel. Im Visitorcenter nebenan gibt es jedoch ein Gästebuch, in welchem sich diejenigen Eintragen, die den Gipfel aus Respekt nicht bestiegen haben. Im Glauben der Ureinwohner soll jedes Stück Natur da bleiben, wo es war, da die Geister sonst nicht zur Ruhe kommen. Das gilt auch für Felsstücke des Uluru. Nicht wenige Touristen nehmen jedoch solche als Souvenir mit nach Hause und bereuen es später. Der Nationalpark erhält durchschnittlich einmal pro Tag ein Paket aus aller Welt mit Steinen drin, die von den Aborigines wieder am Uluru platziert werden. Ein Begleitschreiben schildert häufig von Unglücken und Pech das den Dieben wiederfahren ist, seit der Stein in ihrem Besitz war.
Langsam kehren wir auf die Strasse zurück. Hinterlassen haben wir bloss unsere Fussabdrücke. Im Gepäck aber, haben wir unzählige schöne Bilder und unvergessliche Erinnerungen.

Simon
Reist und fotografiert leidenschaftlich gerne. Hat sich von seiner Spiegelreflexkamera verabschiedet, um sich eine reisetaugliche Fujifilm zu kaufen

2 Kommentare

  1. rumreisemalexi 3 Jahren vor

    hach… aufgrund unserer beiden, Moskito-übertragenen, indonesischen Souvenirs haben wir leider die Uluru-Umrundung verpasst. Aber zum Glück gibt’s eure Berichte und Bilder.

    dankeschön 🙂

    • Simon Autor
      Simon 3 Jahren vor

      Mann, ihr habt ja aber auch wirklich Pech mit all euren Mitbringsel…Dann versuchen wir euch weiter auf dem Laufenden zu halten 🙂 Gutes Einleben euch zweien!

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