Der Südwesten

Perth gilt als die am schnellsten wachsende und gleichzeitig als die abgeschiedenste Grossstadt Australiens. Mit 2800 Kilometern Entfernung ist Adelaide die nächstgelegene Metropole.Wir verbringen die Tage ganz unspektakulär mit Spaziergängen im Botanischen Garten oder dem Swan River entlang, mit Shoppen oder bei Kaffee und Kuchen. Während wir auf der Suche nach einem Gürtel für Simon durch ein Geschäft schlendern, werden wir „Opfer“ einer hellhörigen Verkäuferin. Sie begrüsst uns mit dem Obligaten „Hey, how are you today?“ und schmettert uns ein breites Lachen ins Gesicht. Wir denken uns nichts dabei, wieso denn auch? Hier wird man überall stets freundlich begrüsst. Bisher also nichts Ungewöhnliches. Schliesslich wird Simon fündig. Mit der neuen Errungenschaft geht es in Richtung Kasse. Dort plaudert eben diese etwa 45-jährige Verkäuferin mit einem anderen Kunden. Das Geschäft läuft. Sie freut sich darüber, dass wir bei ihr einkaufen. Plaudert auch mit uns. Während sie das Verkaufsgespräch im ersten Moment in Englisch beginnt, wechselt sie auf den anderen Moment auf Züridütsch mit stark englischem Akzent: „ahh, iehr bsuechet üs also us the Schwiiz!?“ Sachen gibts. Wir schauen uns verblüfft an, verstehen die Welt einen kurzen Augenblick noch weniger als sonst. Im Verlaufe des Gesprächs erfahren wir, dass die Frau seit sie 8-jährig ist in Australien lebt. Sie freut sich sichtlich darüber, wiedermal Schweizerdeutsch zu sprechen und wir freuen uns darüber in Schweizerdeutsch bedient worden zu sein.

Nach einigen Tagen Grossstadt zieht es uns wieder in die Natur, genauer in den Südwesten Australiens. Inmitten kilometerlangen Karriwäldern schlängeln wir unseren Weg nach Pemberton. Hier nämlich steht der Gloucester Tree. Ein Karribaum, welcher seit 1947 für viele Jahre als Aussichtspunkt genutzt wurde. Die Feuerwehr konnte so Waldbrände rechtzeitig lokalisieren. Da heute jedoch alles per Flugzeug überwacht wird, dient der 60 Meter hohe Baum nur noch als Touristenattraktion. Wir lassen uns den Spass natürlich nicht entgehen. Bei der Ankunft lächelt uns eine Asiatin angespannt entgegen. Gerademal die ersten fünf Eisenstangen erreicht sie, ehe sie sich zögernd auf den Rückweg begibt. Macht auch nichts, für ein Beweisfoto reicht diese Höhe allemal. Unten angekommen meint sie mit zitternder Stimme, aber sichtlich erleichtert, wie furchteinflössend das Ganze sei. Wie schwabbelig ihre Beine zu diesem Zeitpunkt sind, können wir nur erahnen. Wir lassen uns nicht abschrecken. Im Nu erreichen wir die Aussichtsplattform. Etwas mulmig wird uns erst beim Abstieg, als sich die Baumkrone gemächlich im Wind hin und her bewegt. Auch beim nächsten Halt wollen wir hoch hinaus. Der Tree Top Walk ermöglicht auf 40 Metern Höhe eine komplett andere Perspektive auf die Eucalyptusbäume.

An der Küste von Albany begegnen wir schliesslich der rauen Seite Australiens. Die Wellen peitschen ungebremst an die steile Küste, der Wind pfeifft uns um die Ohren. Was nicht niet-und nagelfest ist, wird weggefegt. Hier zeigt die Erde einmal mehr, wer die Hosen an hat. Weiter östlich, in Esperance, geht es ruhiger zu und her. In den hiesigen Sommermonaten suchen die Grossstädter Ruhe und Entspannung in diesem Städtchen, kein Wunder! Mit den schönen Stränden und Buchten rund um Esperance sollte einem das Abschalten leicht fallen. Wir bekommen die wunderbare Natur auf dem 40 Kilometer langen Ocean Drive zu Gesicht.

Nach tagelangen Beobachtungen an defekten, wie auch makellosen Exemplaren, sind wir uns mittlerweile ganz sicher: der Osterhase ist in Wirklichkeit kein Hase, sondern ein Känguru! Oder hast du schon mal einen Hasen mit Beutel für die Ostereier gesehen? Eben! Im Cape le Grand Nationalpark hopsen also die Osterhasen in einer Vielzahl ganz ungeniert umher. Neugierig nähern sie sich uns, beschnuppern uns und glotzen uns mit ihren braunen Kulleraugen fragend an. Der Nationalpark ist nicht nur augfrund der zutraulichen Kängurus bekannt, vielmehr sind es die Buchten, welche mit dem türkisfarbenen Wasser zum Baden einladen. Man munkelt, dass es sich bei den Stränden hier, um die schönsten in ganz Australien handelt. Tatsächlich bietet sich uns, trotz Hudelwetter, eine atemberaubende Kulisse! Mit Odlounterwäsche und Daunenjacke bewaffnet, begeben wir uns auf einen 45-minütigen Spaziergang und werden prompt verregnet. Bis auf die Unterhose, versteht sich..

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