Die Flugbegleiterin kündigt eben in sauberen, wenn auch australischem Englisch das Ende unseres ersten Interkontinenalfluges an. Dass sich das überhaupt so nennen darf. In einem kleinen Jet mit 70 Plätzen fliegen wir vom asiatischen auf den australischen Kontinent. In nur 70 Minuten. Es wird uns wieder einmal mehr bewusst, wie weit wir schon gereist sind. Trotzdem ist dies unser längster Flug bis anhin. Wir sind gespannt was uns erwartet.

Das letzte Mal als ich in Australien „war“, sah ich auf dem Weg nach Neuseeland gerade einmal ein Gate des Flughafens Sydney. Gross, modern und geschäftig war es damals. In Darwin, der Hauptstadt des Northern Territory läuft alles etwas gemütlicher. Vom Flugzeug spazieren wir über das Rollfeld zum Gate. Der Flughafen wirkt geradezu ausgestorben, das Gepäck erscheint innert Minuten auf dem Förderband. Wenige Meter daneben befindet sich der Zoll. Während Marilyne ihre Einreise mit dem Computer erledigen kann, will es meinen Pass einfach nicht akzeptieren. So werde ich auf die Seite genommen. Ich stelle mich psychisch schon auf ein Kreuzverhör ein, doch die Zöllnerin nimmt es nicht allzu streng. Sie scheint sich mehr über unsere vergangene Reise und der Planung des Ganzen zu interessieren, als über unseren Aufenthalt in Australien und dessen Gründe. Besonders bedacht sind die Australier aber, wenn es um die Einfuhr von verschiedenen Waren geht. Das Mitbringen von Obst und Gemüse ist, wie in den meisten Ländern, tabu. Pingelig werden die Zöllner aber auch, wenn sich Schmutz an den Schuhen oder an der Campingausrüstung befindet. Doch damit haben wir kein Problem, denn in Dili haben wir eine unserer alten Zahnbürsten geopfert, um die Profile der Schuhe fein säuberlich zu reinigen. Die weitere Befragung ist nach dieser Antwort beendet. „Good preparation“, meinen die Zöllner nur.

Kurze Zeit später sitzen wir im Taxi, das uns vom leeren Flughafen in die Stadt bringt. Wir sind fasziniert vom Zustand der Strassen, der Ausschilderung, der vielen und topmodernen Fahrzeuge, der Verkehrsführung und -regeln und nicht zuletzt dem Preis für die knappe 20 Minuten Taxifahrt. Das ist es wohl, was man Kulturschock nennt.
Noch am selben Abend schlendern wir über den Mindilbeach-Markt. Der grösste Nachtmarkt Darwins bietet Platz für viele Souvenir-und Essensstände sowie ein Didgeridookonzert. Klar, dass wir dazu asiatisch essen. Burger und Co können warten. Uns fallen die vielen Einheimischen auf. Also nicht die Australier. Also doch, aber die Ureinwohner, die Aborigines. Während sie an der Ostküste kaum mehr anzutreffen sind, leben im Northern Territory 31 Prozent der Ureinwohner. Die meisten davon wurden aus ihren Dörfern vertrieben und aus ihren alten Gewohnheiten gerissen. Die wenigsten kommen mit den neuen Umständen der westlichen Welt klar. Der nun zugängliche Alkohol und die Tatsache, dass den Ureinwohnern ein Enzym zum Abbau des Alkohols fehlt, erledigen den Rest.

„Eine praktisch unüberbrückbare Lücke von mehreren Jahrhunderten zwischen den Zivilisationen“ nennt Peter, der schweizer Konsul von Darwin das Problem. Wir treffen ihn auf einen Kaffee, um meine Ersatzkarte der Post entgegen zu nehmen. Die andere habe ich irgendwo auf Bali verlegt.
Nach der langen Zeit in Asien müssen auch wir uns wieder an das westliche Leben gewöhnen. Als wir im Supermarkt stöbern, möchte ich am liebsten ein paar Würste kaufen. Doch die Wahl der richtigen Wurst fällt bei der Auswahl zwischen Känguru, Kalb, Schwein, Poulet, mit oder ohne verschiedenen Zusätzen, auf einer Regalbreite von geschätzten sieben Metern auf vier Etagen, denkbar schwer. Ja, die Australier lieben Fleisch und vorallem Barbecue. So verlasse ich die Fleischauslage überfordert – und ohne Wurst. Das Sortiment ist im Allgemeinen sowieso unglaublich riesig. Wer braucht schon 10 verschiedene Sorten Toilettenpapier oder 10 verschiedene Milchvarianten…

Wir spazieren der Küste entlang und bewundern die schönen Strände und das klare Wasser. Trotz strahlendem Sonnenschein und brütender Hitze sind die Strände leer. Am Baden ist niemand. Nicht dass alle am Arbeiten wären oder gar wasserscheu sind. Der Grund ist vielmehr, dass es schlicht und einfach zu gefährlich ist. Während der Süden von Australien bekannt für Haie ist, sind die Räuber des Nordens vorallem die grossen Salzwasserkrokodile. Im australischen Sommer kommen die ebenso tödlichen Würfelquallen dazu. An jedem Strand wird auf die Gefahren hingewiesen. Ziemlich brutal finde ich, denn uns tropft unterdessen der Schweiss von der Stirn und eine Abkühlung wäre wirklich schön gewesen. So setzten wir den Fussmarsch zum Kriegsmuseum fort, welches zum Glück, wie alle Gebäude in Darwin, klimatisiert ist.
In einer interaktiven Ausstellung zeigt das Museum, wie Darwin im zweiten Weltkrieg von den Japanern dem Erdboden gleich gemacht wurde. Nachdem der Wiederaufbau erfolgt ist, wurde die Stadt ein zweites Mal komplett zerstört. An Weihnachten 1974 wütete der Wirbelsturm Tracy über Darwin. Das erklärt, weshalb die Stadt in einem frischen und modernen Kleid daher kommt.
Modern sind auch die wenigen Stadtbusse, die in Darwin verkehren. Doch den Fahrplan zu durchblicken ist eher schwierig. Eine anständige Übersicht der Linien und deren Haltestellen ist unmöglich zu finden. Doch das Glück ist auf unserer Seite, keine fünf Minuten warten wir mit dem ganzen Gepäck, bis ein Bus eintrifft, welcher in unsere gewünschte Richtung fährt. Aussteigen ist Glückssache, trotzdem müssen wir nur knappe 500 Meter zu Fuss gehen bis wir bei Apollo, unserem Autovermieter, eintreffen. Da stehen sie, die kleinen, irgendwie unförmigen Campervans. Wir rätseln beim vorbeigehen, welches unserer sein könnte. Nach dem üblichen Papierkram, haben wir des Rätsels Lösung. Jener, der gerade frisch vom Service kommt. Schliesslich sei das Auto ja jetzt für immer weg, meint der Angestellte. So normal ist es auch in Australien nicht, dass ein Camper für einen Zeitraum von über 80 Tagen verliehen wird.
Endlich wieder einmal ein Zuhause für eine längere Zeit, denken wir und nehmen den Schlüssel entgegen.


4 Kommentare

  1. Ralph 3 Jahren vor

    …meh aus 80 Tag Cämper si ja scho grad e chli churz…. Viu Spass! 🙂

  2. regula 3 Jahren vor

    Meine Erfahrung ist, dass in der siebten Reihe, an der vierten Stelle von rechts, die Besten sind — Würste natürlich.
    E Guete und sonst gibt es ja auch noch Kartoffeln.
    Weiterhin gute Fahrt u Gniessets.

  3. Daniel Gilgen 3 Jahren vor

    Wieder toll geschrieben! ! Wir wünschen Euch viel Spaß in Downunder und gute fahrt!

  4. Käsermann Gerhard 3 Jahren vor

    Liebe Weltenbummler

    Habe eben den neuesten Eintrag von Simon gelesen und die Fotos bestaunt. Vor allem die Krokodilzahnärztin mit dem kritischen Blick gefällt mir sehr, hat wahrscheinlich gerade übermässigen Zahnsteinbefall entdeckt!

    Dass Simon die neue Postcard in Empfang genommen hat, gehört natürlich zu den besseren Erfolgserlebnissen eines Backoffice Supporters!

    Ich wünsche euch beiden nun unfallfreie Fahrt mit eurer rollenden Zweitwohnung und viel Vergnügen beim on-board Zubereiten von Outback-Menus.

    Herzliche Grüsse Gerhard

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