Von Insel zu Insel

Da ist er wieder, der markdurchdringende Schrei. Man könnte eine Uhr danach richten. Pünktlich um halb sieben morgens. Wir liegen hellwach in unserem Bungalow aus Bambus. Die Schalldämmung ist gleich null. Naja, für einmal ist es nicht der Muezzin, welcher uns aus dem Schlaf reisst, sondern der kleine schweizer Junge im Bungalow nebenan.

Hier auf Gili Air, einer der drei kleinen Inseln zwischen Bali und Lombok, geht alles etwas gemütlicher zu und her. Die ungeduldigen Touristen, die allesamt mit einem Speedboat von Bali hergeschifft werden, müssen sich hier mit Pferdekutschen zufrieden geben. Motorisierter Verkehr ist abgesehen von ein paar wenigen Elektroscootern inexistent. Die Strassenränder sind abwechselnd mit Gästehäusern, kleinen Hotelanlagen, Bars, Restaurants und Tauchschulen gesäumt. Immer wieder dringt aus einer Ecke gemütliche Musik in die Ohren. Nicht selten Reggae, der hier seinem Ruf alle Ehre macht. Etliche Male haben wir die Barkeeper und Serviceangestellten schwer im Verdacht etwas nicht ganz legales intus zu haben. Der Verkauf von Magic Mushrooms ist hier so Alltag, wie bei uns der Verkauf des Strassenmagazins Surprise. Nur das hier knapp 10-jährige Jungs die Droge an den Mann bringen. Wir überlassen dies jedoch gerne anderen, beschränken uns maximal auf einen Drink und hoffen dass nichts heimlich beigemischt wird.

Das erste Mal seit Beginn unserer Reise wagen wir uns hier richtig unter Wasser. Wenn man schon täglich hinter dem Bungalow einen Kompressor Tauchflaschen füllen hört, muss man auch etwas davon haben. Doch irgendwie haben wir uns etwas mehr erhofft, denn das Riff ist hier schon ziemlich beschädigt. Die vielen Meeresschildkröten ziehen den Blick zum Glück auf sich. Das schürt die Hoffnung, dass wir auch mit Fäbu und Kim welche finden. Extra dafür stehen wir am nächsten Tag früh auf. Wobei der Schreihals hat uns sowieso schon geweckt. In einem Seegrasfeld werden wir dann tatsächlich fündig. Eine grosse Schildkröte, die gemütlich am frühstücken ist. Dieser Anblick lässt bei mit ganz spontan den Magen knurren. So ohne Essen im Bauch fühle ich mich auch im Wasser nicht wohl.
Wir lassen den letzten Abend auf Gili Air bei einem halb misslungenen Sonnenuntergang an einer Beachbar ausklingen. An derselben Bar haben wir vor zwei Tagen Timian und Rebecca, unser englisches Pärchen von Moskau und Luang Prabang, getroffen. Es war wohl das letzte Mal, dass sich unsere Wege auf der Reise gekreuzt haben.

Alles Abzocker hier in Bangsal, dem Ausgangs- oder Endpunkt für die öffentliche Fähre zu den Gili Inseln. Obwohl Fähre deutlich übertrieben ist. Viel eher ist es ein etwas grösseres Fischerböötli mit Dach, welches immer abfährt, wenn mehr als 25 Personen zusammen kommen. Unser Plan war, in Bangsal zwei Roller zu mieten und Lombok zu erkunden. Bei den Rollerpreisen hier vergessen wir unser Vorhaben rasch und nehmen lieber ein Taxi in die nächte grosse Touristenstadt Senggigi. Die Preise für den Roller fallen sofort um knappe 75 Prozent.

Während unseres Abendessens kommen wir mit dem Wirt ins Gespräch, der auffallend gut Englisch spricht. Er habe viele Jahre im Ausland gearbeitet, einen Grossteil davon in England und auch auf Kreuzfahrtschiffen. Der Einfluss der verschiedenen Kulturen und Küchen macht sich auch in der Speisekarte bemerkbar. Der lokale Fisch reiht sich neben indischen Pratas und englischen Fish & Chips. Rocky hat viel erlebt und ist der Überzeugung, jeder kann etwas gutes für die Welt tun. Er tut dies indem er sehr gutes Essen zu einem erschwinglichen Preis anbietet. Wer gar nichts mehr besitzt, kann bei ihm gar kostenlos essen.

Am nächsten Abend sitzen wir in Tetebatu. Ein kleines Dörfli im Zentrum von Lombok. Rundherum Reis- und Getreidefelder. Ansonsten nur ein völlig überteuerter Wasserfall, den wir getrost auslassen. Während wir UNO Spielen hören wir in Gedanken Rocky lachen und sagen: „Was wollt ihr in Tetebatu? Da gibt es nichts. Nur Kartenspielen könnt ihr!“. Doch auch das ist Indonesien und gehört irgendwie dazu. Genauso schön ist es, mal eine solche, ruhige Seite abseits von allen Touristen zu sehen. Denn schon im nächsten Ort sieht es wieder ganz anders aus. In Kuta trifft sich die Surferszene. Auffallend viele Roller sind mit Surfboardhaltern ausgestattet, die meisten werden auch benutzt. Ich frage mich trotzdem, wieviele einfach ein Surfboard dabei haben, um cool auszusehen. Denn die wunderschönen Strände rund um Kuta sind meist verlassen. Nur an einem warten einige wenige auf gute Wellen. Auch wir mieten kurzerhand 2 Bretter, deren Grösse ganz offensichtlich eher für fortgeschrittenere Surfer gedacht ist als für uns. Dennoch: Fast haben wir es alle ansatzweise aufs Brett geschafft. Mit leicht verschnittenen Beinen und völlig K.O. machen wir uns auf den Rückweg um in unserem Hotelpool mit einem lokalen Bier den Abend einzuläuten. Wir lernen die tüchtige Geschäftsfrau Sonya kennen. Als kleines Kind verkaufte sie, wie viele andere in ihrem Alter, die bekannten Armbändeli. Bis sie eine Engländerin kennen lernte, die an sie glaubte und unterstützte. Jetzt steht Sonya jeden Abend hinter der aktuellen Fischauslage, beantwortet seelenruhig alle Fragen und preist nebenbei ihre besten Fische an. Sie führt das wohl best besuchte Restaurant in ganz Kuta und beschäftigt nebenbei die halbe Verwandschaft. Die gemeinsamen Tage und besuche bei Sonya sind schon bald gezählt, und wir haben noch eine Premiere vor uns. Mit dem Roller fahren wir auf dem internationalen Flughafen von Lombok vor und verabschieden uns schweren Herzens von Fäbu und Kim. Selbst der Himmel gerät in Trauerstimmung, denn während Marilyne und ich nun mit beiden Rollern zurück nach Senggigi fahren, werden wir gnadenlos verschifft.

Wir kehren auf ein Abendessen bei Rocky ein. Als er unser Foto vom Kartenspielen in Tetebatu sieht, fällt ihm vor Lachen fast der Fisch vom Grill. Er freut sich uns wieder zu sehen und findet, wir sollten noch länger bleiben, er könne Freunde wie uns gebrauchen.

Simon
Reist und fotografiert leidenschaftlich gerne. Hat sich von seiner Spiegelreflexkamera verabschiedet, um sich eine reisetaugliche Fujifilm zu kaufen

3 Kommentare

  1. Ralph 4 Jahren vor

    …itz sid dir äuwä richtig wit wäg – Zytverschiebig vo öppe einere Wuche 🙂
    Merci für die tolle Brichte u Fötelis u witerhin viu schöni Erläbnis uf öire Reis!

  2. Nicu F 4 Jahren vor

    Hej dir zwöi!
    Es ist immer wieder toll dank Euch ein bisschen in den Gedanken um die Welt zu reisen. Ich freue mich über weitere tolle (Unterwasser)Fotos und wünsche weiterhin Guet Luft und eine sichere Reise!

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  1. […] es keine, als Transportmittel dienen Golf Carts oder Fahrräder. Uns erinnert hier einiges an die Insel Gili Air in Indonesien, denn auch auf Caye Caulker scheint „no shoes, no shirt“ kein Problem darzustellen. „Go […]

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