Mount Bromo

Es brodelt, raucht, stinkt und tropft. Nein, es ist nicht der Flieger der stinkt, welcher uns von Singapur nach Indonesien brachte. Es tropfte auch nicht in unserem kleinen Hotelzimmer in Jakarta. Und der Zug von Jakarta nach Surabaya rauchte zum Glück auch nicht. Wir haben in relativ kurzer Zeit die beiden Grossstädte Jakarta und Surabaya hinter uns gelassen. Nicht nur, weil die Städte nicht den besten und schönsten Ruf haben, sondern weil wir hier hin wollten. Auf den Mount Bromo. Einer der aktivsten Vulkane Indonesiens. Doch der Eindruck, welcher die beiden Städte auf uns hinterlassen haben, ist bleibend. Vorallem wegen den Indonesiern. Bei unseren Streifzügen durch die Strassen und Quartiere werden wir von allen Seiten angeglotzt und nicht selten mit „hello mistar“ begrüsst.
Wie wir später bemerken, richtet sich die Begrüssung keineswegs nur an mich. Das „Hello Miss“ wurde wohl einfach nie gelernt. Touristen werden in der grössten Stadt Südostasiens ganz offensichtlich selten gesichtet. Die wenigsten fliegen in eine der Metropolen sondern reisen direkt nach Bali.

Einige Stunden zuvor, um vier Uhr morgens, treffen wir uns mit einem kanadischen Pärchen, welches wir bei der Anreise kennengelernt haben. Zusammen beginnen wir den Aufstieg auf den Gunung Pananjakan. Nach einenhalb schweisstreibenden Stunden über Treppen, schmale Wege und Felsen erreichen wir den sogenannten Viewpoint One. Vor uns liegt die Bay of Sands, ein Sandplateau dicht im Nebelmeer. Die Spitze des Mount Bromo sticht hinaus und bläst seine Rauchwolke vertikal in den Himmel. Wir geniessen die eindrückliche Aussicht in totaler Ruhe, bis die ersten anderen Touristen eintreffen, die mit einem Jeep auf den Gipfel geführt wurden. Während ein Asiate wohl das hundertste Foto seiner überschminkten Freundin knipst, spricht uns plötzlich ein Indonesier an. Nachdem er hört das wir aus der Schweiz kommen, stellt er sich auf schweizerdeutsch vor: „I bi der Doni us Jawa“. Ein Doktor der Vulkanologie, der einige Zeit in der Ostschweiz gelebt und an der Hochschule in Winterthur Seismographie unterrichtet hat. Ganz beiläufig erwähnt er, nebenbei Korrespondent bei BBC, CNN und Fotograf für National Geographic zu sein. Der Doni aus Jawa also. Mit dieser Begegnung im Hinterkopf machen wir uns langsam an den Abstieg nach Cemoro Lawang. Um acht Uhr liegen wir wieder im Bett.

Als wir erwachen, regnet es. Unser Vorhaben, durch die Bay of Sands auf den Gipfel des Mount Bromos zu wandern, steht arg auf der Kippe. Zusammen mit den Kanadiern wagen wir den Ausflug am späten Nachmittag dennoch. Die Sandebene liegt immer noch in den tief hängenden Wolken. In der mystischen Landschaft reitet uns ein Indonesier auf seinem Pferd entgegen. Wie schon viele andere vor ihm, versucht er uns sein Pferd als ideales Transportmittel zum Vulkan oder dann zumindest für den Rückweg anzudrehen. Dass wir lieber im schlechten Wetter wandern, wird lachend akzeptiert. Durch den Nebel erspähen wir etwas später den Mount Bromo. Die fast eingeäscherte Treppe, die nach dem letzten Ausbruch vor drei Wochen wohl zum x-ten Mal freigeschaufelt wurde, führt uns bis an den Kraterrand. Auf den letzten Metern beginnt es plötzlich beginnt es zu tropfen. Doch der Regen besteht wohl grösstenteils aus Vulkanasche. Marilynes knallgelbe Regenjacke wird je länger je mehr zu braun, ganz zu schweigen von der natürlichen Schminke, welche sich im Gesicht verteilt. Der Blick in das brodelnde Loch lässt jedoch alles rundherum vergessen. Da unten brodelt die Lava hörbar, weisser Dampf wechselt sich mit schwarzen Rauchwolken ab. Ein schwefliger Geruch hängt in der Luft und weit weg von unserer Wahrnehmung tropf dieser Dreck vom Himmel. Während es immer häufiger und stärker brummelt, wird uns einmal mehr bewusst, wie klein und machtlos doch der Mensch ist. Vor unseren Augen öffnet sich die Welt.

Kurz vor dem Eindunkeln sind wir zurück im Gästehaus und geniessen die reinigende, warme Dusche. Am nächsten Morgen verlassen wir Cemoro Lawang bei strahlendem Sonnenschein. Im vollgequetschten und lottrigen Minibus geht es von 2200 Metern über Meer zurück an die Küste. Während andere über den Zustand der Bremsen sinnieren, lassen wir in Gedanken den letzten Tag Revue passieren.

Simon
Reist und fotografiert leidenschaftlich gerne. Hat sich von seiner Spiegelreflexkamera verabschiedet, um sich eine reisetaugliche Fujifilm zu kaufen

2 Kommentare

  1. Delia 4 Jahren vor

    Es isch u schön mit dene Brichte a euere Reis dörfe teil ds ha.
    Isch würklech u guet und spannend gschribe!
    Ganz grossi Umarmig us dr schöne Schwiz

  2. regula 4 Jahren vor

    schöni Fotos u e ganz tolle´Bricht
    MERCI

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