Halongbucht und die trockene Schwester

Halongbucht und die trockene Schwester

Die Halongbucht ist wohl der Taj Mahal von Vietnam., dementsprechend im Überfluss werden Touren in Hanoi angeboten. Die Qual der Wahl also. Doch wir entscheiden uns gegen alle. Stattdessen sitzen wir kurzerhand in einem Zug an die Küste. Mit Bord-TV, WLAN und sehr bequemen Sitzen werden wir dabei überrascht. Keine Ahnung, ob wir wirklich die gewünschte zweite Klasse gekriegt haben.

Mit fast direktem Anschluss fährt ein Tragflügelboot nach Cat Ba. Die Insel in der Halongbucht wird normalerweise von den Booten aus Hanoi nur angesteuert, wenn eine Tour länger als zwei Tage dauert. Für uns wird Cat Ba zum Ort wo wir ins neue Jahr schlittern. Fernab des Touristenstroms. In der Tat erinnert uns der Ort im Moment eher an eine Geisterstadt. Dafür gibts ein Zimmer im Hotel mit Meerblick zum besten Preis. Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass weder das Wetter noch die Temperaturen zum längeren Verweilen einladen. Deshalb sind wir froh, haben wir keine Bootstour mit Kayakfahren, Schwimmen oder Schnorcheln gebucht. Stattdessen mieten wir einen Roller, überqueren die Insel und geniessen die eindrückliche Landschaft. Die spontane Privattour die wir mit einem Fischer durch die Bucht unternehmen, rundet unseren Ausflug ab.
Ein Abendspaziergang führt uns auf einen nahgelegenen Hügel, auf welchem alte Bunker und Geschützstationen des zweiten Weltkrieges stehen. Mit einer Sicht über die gesamte Bucht von Cat Ba. Als unten das Tragflügelboot ablegt, ertönt ein Horn, welches eher an eine Luftangriffssirene erinnert. Wir werden sogleich ins Kampfgeschehen zurück versetzt und verstecken uns im Schützengraben.

Unsere Reise führt uns mit einer anstrengenden Minibusfahrt nach Ninh Binh. In der Umgebung gibt es die etwas weniger bekannte „trockene Halongbucht“. Während wir mit dem Roller neben Reisfeldern, Brücken und Flüssen vorbeifahren, bewundern wir ein weiteres Mal die Landschaft. Die Hügel ragen vom Boden aus steil in die Höhe. Doch anstatt des Meers werden die Zwischenräume mit Reisfeldern ausgefüllt. Uns gefällt diese Umgebung fast besser. Wir lassen uns ein weiteres Mal nicht von einer berühmten Höhle fangen und begeben uns in einen naheliegenden Park. Wie überall in diesen Karstbergen gibt es auch hier beeindruckende Tropfsteinhöhlen. Einmal per Boot, einmal hoch oben im Berg und einmal auf einem schwimmenden Pfad erkunden wir die hiesigen. Der Park ist scheinbar ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische. Wir werden mit freundlichem Winken, einem gelegentlichen „Hello“ oder der Frage nach einem gemeinsamen Foto begrüsst. Anderen Touristen sind wir hier nirgends begegnet. Sowieso hält sich auch hier der Touristenstrom in Grenzen.

Für unsere Weiterreise kommen verschiedene Optionen in Frage. Vom Kauf eines Rollers haben wir aufgrund der kalten Temperaturen schnell abgesehen. Nun bleiben noch Zug oder Bus. Im Internet wird das Zugticket mit 30 USD angegeben, vom Hotel wird der Sleeperbus empfohlen. Wir lassen es uns aber nicht nehmen, mal am Bahnhof vorbeizuschauen. Die Internetseite war wohl nicht wirklich eine Offizielle, denn mit knapp 8 USD kostet das Ticket nicht nur deutlich weniger, sondern auch einen Bruchteil des vom Hotel angepriesenen, ach so günstigen Sleeperbuses. Überhaupt macht es den Anschein, dass man hier überall auf der Hut sein muss. Sonst wird man gnadenlos ausgenommen. Wenn bei unserem Einkauf die Waren auf dem Rechner eingetippt werden, während bei allen anderen der Barcodescanner benutzt wird, ist wohl etwas faul. Und wieviel Provision die jeweiligen Tourenanbieter erhalten steht wohl auch in den Sternen.

Am nächsten Tag im Zug merken wir dann, wie die richtige zweite Klasse aussieht. Zurück zu den Holzbänken, offene, wenn auch vergitterte Fenster und kein Bord-TV oder WLAN mehr. Das heisst auch: zurück zum Reisen mit vietnamesischen Familien, welche uns diverse Male Essen anbieten. Nachdem wir am Bahnhof auch noch das computerisierte Stellwerk entdecken, sind wir sicher, der Zug wird unser Transportmittel Nr. 1 in Vietnam.

So geht unsere Reise gegen Süden. In die Wärme und der Heimat der grössten Höhlen der Welt.

Simon
Reist und fotografiert leidenschaftlich gerne. Hat sich von seiner Spiegelreflexkamera verabschiedet, um sich eine reisetaugliche Fujifilm zu kaufen

2 Kommentare

  1. Feuz Ürsu 4 Jahren vor

    …und bei einer vietnamesischen Stellwerkstörung,….uiiii sorry – neu heisst es nun „Technische Störung der Bahnanlage“ …. kennt Ihr ja die Spezialisten vom ‚Steuwärchdienscht Bärn‘ um das Problemchen zu beheben. Weiterhin gutes Reisen mit all seinen schönen und manchmal auch mühsamen Seiten. Ahoi.

  2. Beni 4 Jahren vor

    Dir heit ja scho di dickerä Jaggä annä weder di Iheimischä!
    Dir sit ächt scho z lang nüm ir Schwitz 😉

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