Yangon

Yangon ist arm.
Kinder liegen zusammengekauert auf dem von Bettelnüssen gefärbten Trottoir, Männer ertränken ihre Sorgen in Alkohol. Die Stadt scheint vom Abfall erstickt zu werden. Die Gerüche reichen von verdorbenem Fisch oder Fleisch bis hin zu verfaulten Früchten.

Yangon ist gegensätzlich.
Die grösste Pagode des Landes, natürlich ganz in Gold gehüllt, prägt das Stadtbild ebenso wie die Slums. Der wunderschön, gepflegte Park wird von Müll überhäuften Strassen umsäumt.

Yangon ist heiss.
Nicht, dass wir uns beklagen möchten. Die Sonne scheint jeden Tag, wir sind nicht vom Schnee ‚geplagt‘. Trotzdem ist es zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, wenn das T-Shirt (kaum angezogen) vor Schweiss nur so trieft.

Trotz allem geniessen wir den Aufenthalt in der Stadt. Wir legen uns für ein Stündchen Schlaf in eben diesen schönen Park, gönnen uns eine echte Burmesische (oder Myanmaresische) Fussmassage und lernen dank einer Kulturshow traditionelle Tänze kennen. Während einer 3-stündigen Zugfahrt rund um Yangon erhalten wir einen Einblick in den Alltag der Einheimischen und ein Angebot welches Simon gerne ausschlägt, ich jedoch gerne annehme.
Bereits seit Beginn unserer Myanmarreise überlege ich mir, wie diese Bettelnüsse aufputschen und wie sie schmecken. Da es aber ein Männerding ist, habe ich bisher darauf verzichtet. Bis während der Zugfahrt eine Frau gleich zwei dieser Päckchen in den Mund stopft. Ich wittere meine Chance.

Diese Bettelnüsse sind ein wahrgewordener Rosentraum. Ich komme mir vor, als hätte ich das gesamte Rosenräucherstäbchensortiment des ‚Cachets‘ im Mund. Wirklich. Vielleicht noch mit etwas scharf. Und wahrscheinlich ist es das Scharfe, welches aufputschen sollte. Davon merke ich allerdings nichts. Ich entsetze mich immernoch ab all den Rosen in meinem Mund.
Der Geschmack weicht erst, als wir ein unappetitlich aussehendes Bananacake angeboten bekommen. Zugegeben, etwas Überwindung kostet es uns, denken wir doch schon beim Reinbeissen an die möglichen Konsequenzen.
Ein erfahrener Globetrotter meinte einst: „Einmal pro Land sei Durchfall Pflicht, ansonsten hätte man das Land nicht richtig bereist“. Na dann, wohl bekomms. Schnell bemerken wir, dass das Auge manchmal weniger mitessen sollte.

Myanmar verabschiedet sich bei uns so herzlich, wie wir empfangen wurden. Beim letzten Abendessen in Yangon setzen wir uns zu einem jungen Mann. In gebrochenem Englisch will er wissen, woher wir kommen und wie lange wir schon in Myanmar sind. Als er sich verabschiedet, überreicht er uns eine alte, burmesische (!) 35 Kyat Note. Es sei ein kleines Geschenk. Ich vermute, dass er eben seinen Glücksbringer an uns weitergereicht hat..

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