Hanoi

Unser Ziel ist es, während der Reise möglichst wenig zu fliegen. Am wenigsten natürlich auf die Schnauze, aber wenns geht auch nicht allzu häufig mit dem Flugzeug. Von Luang Prabang in Laos nach Hanoi in Vietnam dauert der Flug etwas mehr als eine Stunde. Wir benötigen für diese Distanz satte 25h, da wir uns für den „bus of hell“ als Transportmittel entschieden haben. So höllisch, wie im Internet beschrieben, ist die Busfahrt jedoch bei weitem nicht. Wenn man zuvor einige Vorbereitungen trifft: wir decken uns mit genügend Wasser, Verpflegung, eBooks, Podcasts und Hörspielen ein, kleiden uns eher warm und schmuggeln den Schlafsack in den Bus. So vergehen die Stunden quasi wie im Flug..Obwohl wir uns mit verschiedenen Medien eingedeckt haben, läuft der spannendste Film draussen: Entlang der Strasse wechseln sich Bananenstauden, Kokospalmen und Papayabäumchen ab und im Vorgarten weidet ein angebundenes Rind, ich nenne es Brownie. Die Bauern erledigen ihre Arbeit in den Reisfeldern. Zwei Mädchen spielen in der Seitengasse Federball, scheinen sich ab dem lausigen Wetter jedoch nich zu stören. Kaum zu glauben, dass eine solche wundervolle Unbekümmertheit vor 40 Jahren möglicherweise den Tod bedeutet hätte.

Vietnam heisst uns willkommen, wie es sonst der Flughafen in Zürich (ganz selten vielleicht auch der Bahnhof in Olten) macht: nass, kalt, neblig. In Hanoi angekommen ist dieser Willkommensgruss jedoch schnell vergessen. Es gibt einfach zu viel zu sehen. Und dabei meinen wir nicht die eigentlichen Sehenswürdigkeiten.

Da Hanoi wahnsinnig dicht besiedelt ist, der durchschnittliche Lebensraum in der Altstadt beträgt 0.9 m2, spielt sich das Leben vorwiegend auf der Strasse ab. Gegessen wird auf kleinen Hockern am Strassenrand und dies ständig. Mir scheint, als würden von 24h, 23 mit Essen verbracht. Ab und zu stehen Delikatessen wie Hund, Ratte oder Schlange auf dem Speiseplan. Als Tourist muss man sich nicht davor fürchten, dass einem solch exotisches Fleisch untergejubelt wird. Da es sehr begehrt ist, hat es auch seinen Preis und wird entsprechend deklariert.

Genauso exotisch wie das Essen ist der vietnamesische Strassenverkehr. Zumindest für uns Europäer. Läuft bei uns doch alles so gesittet, geregelt und meist ohne hupen ab. Mittlerweile haben wir jedoch etwas Erfahrung auf asiatischen Strassen gesammelt. So erstaunen uns die unzähligen Roller und das ständige Gehupe längst nicht mehr. Blitzschnell und wahnsinnig geschickt fahren viele durch die schmalen Strässchen. Will man als Fussgänger die Strasse überqueren heisst es „Augen zu und durch“. Obwohl es durch die zahllosen Roller manchmal gefährlich erscheint, sollte der Weg unbeirrt fortgesetzt und nicht gestoppt werden. Da die Fahrer geübt sind Fussgänger zu umfahren, ist so die Chance am grössten, die gegenüberliegende Strassenseite unbeschadet zu erreichen.

Am Abend kommen die meist jungen Händler und verkaufen alles Mögliche: Kaugummi, Zuckerwatte, Hüte, Feuerzeuge, etc. Mir fallen die vielen Missbildungen an Händen und Füssen auf. Finger, wenn vorhanden, sind nur kleine Stoppeln, Arme und Beine sind in eine unnatürliche Richtung gedreht. Dies geht mit grösster Wahrscheinlichkeit auf das Konto der Amerikaner. Damit sie die gegnerischen Truppen auch aus der Luft sehen konnten, versprühten die Amis zwischen 1962 und 1975, im Zuge des Vietnamkriegs, über 80 Mio. Liter Entlaubungsmittel (Agent Orange). Die Folgen des Gifts sind noch heute sichtbar. Gemäss der vietnamesischen Regierung wurden nach dem Krieg eine halbe Million missgebildete Kinder geboren. Ungefähr zwei Millionen leiden an Krebs oder anderen Krankheiten. Noch heute, in der dritten Generation, werden Kinder mit starken Missbildungen geboren. Obwohl im getesteten Blut der Eltern Dioxin gefunden wurde, lässt dies Amerika als Beweis nicht gelten. Die Vietnamesen warten nach wie vor vergeblich auf eine Opferentschädigung oder Schuldanerkennung seitens Amerika.

Das Wetter in Hanoi ist genauso traurig wie die Geschichte Vietnams. So verbringen wir mehr Zeit mit planen als mit fotografieren. Bitte entschuldigt also die spärliche Bildauswahl…

Marilyne
liebt Curry in allen möglichen Variationen und zaubert selbst dem seriösesten Security-Mann ein Lächeln ins Gesicht..

0 Kommentare

Kommentar verfassen