Datong

Das Check-Inn in unserem Hostel war ein Chaos. Nachdem wir klargemacht haben, dass wir nicht in separaten 4-Bettzimmern übernachten möchten, bleibt uns nur ein unfreiwilliges Upgrade auf ein Doppelzimmer. Die Matratze wird durch dies jedoch auch nicht weicher. So wachen wir etwas verschlagen am nächsten Morgen auf. Trotz der vielen Übernachtungen in den mongolischen Jurten, sind wir uns die harten Betten immer noch nicht gewohnt. Der Schlaf weicht uns jedoch relativ schnell aus den Augen, als wir für den Frühstückseinkauf in die Fussgängerzone direkt vor dem Hostel treten. Aus jedem Geschäft dringt ohrenbetäubende Musik, dazwischen die Lockrufe der Verkäufer. Das sich die Lautsprecher überschlagen, scheint niemanden zu kümmern. Die Fussgängerzone ist und bleibt jedoch leer. Kein Wunder, denken wir uns.

Datong ist berühmt für sein hängendes Kloster. Das ist auch der Grund, weshalb wir hier sind. Da die Fahrt jedoch über 2 Stunden dauert, verschieben wir den Besuch auf den nächsten Tag. Denn zurück im Hostel ist erst einmal waschen angesagt und unser Zimmer verwandelt sich im Nu in einen Trocknungsraum. Das Upgrade ist vielleicht doch nicht so schlecht.

Als Nachmittagsprogramm finden wir eine andere Attraktion. Etwas ausserhalb Datongs liegen die Yungang Caves. Über 51000 Buddhas verschiedenster Grössen zieren hier die insgesamt 252 Höhlen. Der berühmteste davon ist ein 17m hoher Buddha, welcher vor einer Felswand sitzt. Bei diesem Anblick vergessen wir den happigen Eintrittspreis schnell. Die kleine quirlige amerikanische Rentnerin, welche wir im Bus getroffen haben, trägt das Restliche dazu bei. Hätte sie uns nicht auf englisch angesprochen, wir hätten alles darauf verwettet, dass sie Chinesin ist!

Nächster Tag, nächster Ausflug. Dank unserem Reiseführer wissen wir, dass ein Bus zum hängenden Kloster, respektive in die Nähe des Klosters fährt. Die Dame hinter dem Ticketschalter redet jedoch auf chinesisch auf uns ein und versucht uns beizubringen, dass der Bus nur bis 11 Uhr fährt. Wir glauben es nicht recht, haben jedoch keine Nerven und am nächsten Tag keine Zeit mehr. So versuchen wir unser Glück mit einem Taxi. Wir versichern uns, dass der Taxichauffeur für den verhandelten Preis auch wieder zurück nach Datong fährt. Nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen haben, wird uns irgendwie unwohl. Der Chauffeur hat wohl in der letzten Nacht nicht all zu viel Schlaf gefunden, so werden seine sowieso schon kleinen Augen noch kleiner. Mit diversen Methoden beginnt er sich wach zu halten. Während er sich am Kopf krault, lüftet, sich an den Wangen tätschelt und sich in die Oberschenkel schlägt, nimmt unsere Fahrt ihren Lauf.

Marilynes Frage: „Ist das alles?“, als sie das Kloster im Fels entdeckt, spricht für sich. Der Eintritt kostet nicht wie angeschrieben 125 RMB, sondern lediglich 25. Wie wir bemerken mussten, ist der Zugang zum Kloster wegen akuten Steinschlags gesperrt. So bleibt uns nicht viel mehr, als das 1500-jährige Bauwerk von aussen zu bestaunen, ein paar Fotos zu schiessen und uns zum Taxi zurück zu begeben. Unser Fahrer schläft, wer hätte es gedacht. Gebracht hat der Powernap wohl nicht viel, denn auf der Rückfahrt kommen weitere Wachhaltemethoden wie beispielsweise Bisse in die Hand oder Schläge auf die Stirn dazu. Ein paar Nerven weniger stehen wir zwei Stunden später im Bahnhof und kaufen die Zugtickets für den nächsten Tag.

Knapp 24 Stunden später stehen wir wieder am Bahnhof. Wie schon in Peking, erinnert uns dieser mit den strikten Sicherheitskontrollen eher an einen Flughafen. Vor dem Bahnhofsgebäude stehen Schalter, an denen die personalisierten Zugtickets mit dem Pass verglichen werden. Während wir durch einen Metalldetektor schreiten, wird das Gepäck durchleuchtet. Da dem Detektor eigentlich keine Beachtung geschenkt wird, werden wir erneut von Hand abgesucht. Erst dann steht man in der eigentlichen Bahnhofshalle. Auf der grossen, digitalen Tafel ist irgendwo die Zugnummer, sowie der dazugehöriger Wartesaal zu finden.

Das Betreten des Zugs erinnert ebenfalls eher an das Boarding am Flughafen: Der Zug wird ausgerufen und obwohl jeder seinen Sitz-/Liegeplatz auf sicher hat, stürzen sich alle auf die Einlasskontrolle. Fast alle. Wir bleiben auf unseren Plätzen sitzen, bis die Schlange fast verschwunden ist. Ohne Anzustehen durchlaufen wir zwei weitere Kontrollen, bis wir unser Abteil gefunden haben.

Morgen Früh sind wir in Xi’an – der Heimat der Terracotta-Krieger.

Simon
Reist und fotografiert leidenschaftlich gerne. Hat sich von seiner Spiegelreflexkamera verabschiedet, um sich eine reisetaugliche Fujifilm zu kaufen

2 Kommentare

  1. Nicu F. 4 Jahren vor

    Hei Dir zwöi

    Merci viu mau löt Dir üs a öier Reis la teilha. I fröiemi jedes mau wider ufene nöie kurzwilige Bricht und die tolle Föteli.

    Wünschenech witerhin e sicheri Reis und viu tolli Erläbniss

    Liebe Gruess

    Nicu

  2. Bruno Gugelmann 4 Jahren vor

    Hoi Zäme
    Super Brichte, tolli Fotos …. Merci vüu mau und gniessets ganz fescht.

    E Gruess
    Brünu

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