Beijing – nördliche Hauptstadt

Beijing – nördliche Hauptstadt

„On your left, you can see Malaga through the dust..“. Im Lied ‚Campari Soda‘ informiert der Copilot die Passagiere mit eben genau diesen Worten. Als Texter des Songs hätte ich mit Sicherheit „Beijing through the dust“ gewählt. Meine Brillengläser mögen zwar, wie so oft, etwas schmutzig sein und auch die Fensterscheiben des Zuges hätten wieder einmal eine Wäsche nötig, aber daran liegt es nicht, dass ich das Gefühl habe mitten im nebligen Herbst angekommen zu sein. Wie ein Vorhang legt sich der Smog über die Stadt.

Peking beeindruckt enorm. Eine Metropole mit über 20 Millionen Einwohnern. Sowohl moderne wie auch uralte Architektur prägen das Stadtbild. Genauso wie die Menschen. Überall Menschen. Mittendrin wir.
Und seltsamerweise fallen wir immer wieder auf.

Nach einem längeren Spaziergang durch die Stadt, gönnen wir uns auf dem Platz des himmlischen Friedens eine kleine Pause. In regelmässigen Abständen werden wir angelächelt, manchmal fragend angeschaut. Ein chinesisches Paar bittet uns um ein gemeinsames Foto. Kurzerhand wird die Sehenswürdigkeit zur Nebensache. Wann hat man schliesslich schon mal zwei Europäer vor der Linse? Kinder zeigen mit dem Finger auf uns, offenbar wollen sie wissen, wieso wir so anders sind. Die Eltern antworten ihnen etwas verlegen, die Kinder lassen uns währenddessen nicht aus den Augen. Plötzlich ein Winken, ein breites Lachen und eine freundliche Begrüssung..hoff ich zumindest 🙂 Wahrscheinlich gewöhn ich mich nie an diese Blicke.

Nun wird es langsam Zeit, Simons abgebrochenen Backenzahn (russische Kaugummis habens in sich) kontrollieren zu lassen. Im Internet sind Empfehlungen einer englisch sprechenden Zahnärztin zu finden. Genau dort ‚wollen‘ wir hin. Die Ärztin ist wahnsinnig freundlich und gesprächig. Während Simon das Patientenblatt ausfüllt, erzählt sie mir begeistert von ihren vielen Reisen.
Auf dem kleinen Tisch im Warteraum steht eine Schale voller Karamelbonbons. Um ihren Patientenstamm muss sie sich wohl keine Sorgen machen, denk ich mir.
Das Behandlungszimmer unterscheidet sich kaum von denen in der Schweiz, abgesehen von der Aussicht vielleicht. Nach der Kontrolle ergeben sich zwei Optionen, Krone oder Füllung. Die Behandlung dauert rund eine Stunde. Nun ist Simon stolzer Besitzer einer goldenen Krone 🙂 Spass beiseite..

In den nächsten Tagen ist Touristen-Büetz angesagt. Wir verbringen unter anderem Zeit in der verbotenen Stadt. Eine enorme Tempelanlage im Zentrum Pekings, welche zwischen 1406 und 1420 erbaut wurde und als Wohnsitz der Kaiser diente. Lange Zeit war der Zutritt fürs normale Volk untersagt. Wurde es dem Kaiser in den Sommermonaten zu heiss, wechselte er kurzerhand seinen Wohnsitz in den Sommerpalast, etwas ausserhalb der Stadt. Eine ebenfalls stolze und weitläufige Anlage inklusive See, welcher den Tempel umgibt. Etwas moderner, jedoch nicht weniger eindrücklich präsentiert sich der Olympiapark. „Spiele der Superlativen“, diesen Übernamen erhielten die Sommerspiele 2008. Insgesamt 45 Weltrekorde wurden aufgestellt, nie zuvor wurden soviele Rekorde gebrochen.

Ein Besuch auf der ‚Grossen Mauer‘ darf natürlich auch nicht fehlen. Da wir nicht gerne mit dem Strom schwimmen, sucht Simon am Vortag alle nötigen Informationen um auch einen Teil der ursprünglichen Mauer zu Gesicht zu kriegen. Die Recherchen werden aber bereits am Busbahnhof in Peking zunichte gemacht. Eine Angestellte versichert uns, dass wir mit einem anderen Bus das Ziel früher erreichen. Nach zweimaliger Nachfrage vertrauen wir ihr und landen prompt in der falschen Stadt. Die sowieso benötigte Taxifahrt dauert jetzt halt 25 Kilometer länger. Während ich die Fahrt geniesse und Simon sich insgeheim aufregt, strömt eine duftende Herbstbrise zum Fenster rein. Die Blätter der Bäume färben sich orangerot. Gemeinsam mit dem überwachsenen Fluss, verleihen sie dem schmal verlaufenden Strässchen eine mystische Note.
Das Ziel ist erreicht und der eben noch freundliche Chauffeur versucht auf unfreundliche Weise zusätzliches Geld einzutreiben. Wir, mittlerweile erfahren in solchen Spielchen, fackeln nicht lange und nehmen den steilen, 45-minütigen Weg in Richtung Mauer in Angriff. Hier sprechen Bilder mehr als Worte…

Wir verlassen Peking auf die gleiche Weise, wie wir angekommen sind. Mit dem Zug. Die vielen Eindrücke liegen schwer wie Steine in unseren Rucksäcken. Wer Skorpione, Seepferdchen und Heuschrecken aufspiesst um sie anschliessend zu verspeisen, is(s)t definitiv irgendwie anders. Wir, aber..wir sind es auch.
Spätestens beim Betreten des Zuges, werden wir wieder einmal daran erinnert.

Marilyne
liebt Curry in allen möglichen Variationen und zaubert selbst dem seriösesten Security-Mann ein Lächeln ins Gesicht..