Transsibirische Eisenbahn

Heute ist ein gigantisch grosser Tag. In vielerlei Hinsichten.

Gemäss Fahrplan sollte unser Zug in Richtung Irkutsk um 23.45 abfahren…Wir treffen ungefähr 15 Minuten vor der Abfahrt am Bahnhof Yaroslavsky ein und zeigen sogleich unser Billett dem Schaffner. Dieser prüft die Unterlagen mit grimmiger Miene, verlangt mit strenger Stimme unsere „Passports“, vergleicht die Gesichter im Pass mit jenen die vor ihm im strömenden Regen stehen und lässt uns schliesslich einsteigen.

Wagen 3, Plätze 19 & 20. Der Boden ist mit Teppich bezogen, in jedem Abteil schmücken kleine graue und gelbe Vorhänge die Fenster. Die ledernen, rotbraunen Sitzbänke werden in den kommenen Tagen sowohl unser Hinterteil als auch unser Rücken auf eine harte Probe stellen. Auf Grund seiner Grösse demoliert Simon bereits in den ersten Minuten einen Teil des Wagens. Vorhangstangen fliegen nur so im Gang umher. Das Gelächter meinerseits lässt nicht lange auf sich warten. Dies spielt jedoch keine Rolle, da wir nebst einem Israeli welchen wir bereits im Hostel in Moskau kennen gelernt haben, vorläufig die einzigen Reisenden im ganzen Wagen 3 sind. Heisst wir haben für diese Nacht ein Vierer Abteil für uns alleine. Wir verstauen unsere Rucksäcke, und beziehen Matratze, Kopfkissen und Decke.

23.45h der Zug, naja..überrascht sind wir ja nicht wirklich. Der Zug, er fährt!

Baikalsee, wir kommen. In einigen Tagen.

Wir blicken noch etwas aus dem verregneten Fenster, bevor wir in einen mehr oder weniger tiefen Schlaf fallen. Die nächtlichen Stopps verschlafen wir.

11.00h es klopft. 11.00.05, es klopft erneut. Vor der Tür steht mit verwuscheltem Haar unser israelischer Reisekompane von nebenan. Ob wir Tee trinken möchten, er habe eben frischen zubereitet. Etwas verschlafen antworte ich ihm, er solle sich noch einen kurzen Moment gedulden. Simon liegt zu diesem Zeitpunkt noch im Tiefschlaf.

Später sitzen wir bei ihm im Abteil, trinken Tee, essen Güetzi, spielen israelisches UNO und plaudern über Vergangenheit und Zukunft während die herbstlichen Birkenwälder an uns vorbei ziehen.

So ungefähr sieht auch der Ablauf der nächsten Tage aus. Unsere Haupttätigkeiten bestehen darin zu lesen, zu schlafen oder zu essen. Die Highlights sind nebst den kitschigen Sonnenuntergängen, die Stopps an den verschiedenen Bahnhöfen. Hier versuchen die „fliegenden Händlerinnen“ jeweils ihre selbtsgemachten Leckereien an die Frau, respektive den Mann zu bringen. Die Stunden verstreichen nur so, während sich die Landschaft zusehends verändert. Dichte Wälder weichen gigantischen Weiten. Zwischendurch ist eine kleine in sich zusammengefallene Holzhütte erkennbar. Ab und zu ein kleines Dorf mit kleinen Häuschen. Wahnsinnig gegensätzlich, wenn wir an Moskau zurückdenken.

Am dritten Tag folgt eine Fahrt mit dem GoldenPass Panoramic durchs Berner Oberland..oder so ähnlich 🙂 Die Landschaft hier hat durchaus schweizer Potential. Die Distanzen jedoch sind ein anderes Kaliber. Wir durchqueren während unserer 45-stündigen Reise fünf Zeitzonen.

Am Montagmorgen um 7.30h empfängt uns Irkutsk schliesslich mit sibirischer Kälte und einem herzlichen Regenguss.
Fazit:

Wir haben während 45h noch nie so viel geschlafen.

Wir haben im Leben noch nie so viele Birkenwälder gesehen…

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