Am Horizont blitz ein Licht – und verschwindet wieder hinter der nächsten Welle. Wir warten gespannt auf die nächste Woge, bis wir die Gewissheit haben: Es sind nicht die Positionslichter eines der vielen Frachtschiffe, die vor Portugal ihre Bahnen ziehen. Es ist das Licht eines Leuchtturms von Lissabon. Unser Ziel und das Ende der Reise auf dem Seeweg naht.

Die letzten Stunden haben an meinen Kräften gezerrt und ich lege mich ein letztes Mal auf See ein wenig hin bis Marilyne mich pünktlich zum Anlegemanöver weckt. Kaum an Land umarmen wir uns fest und bedanken uns bei Philip und Fränzi. Ein weiteres grosses Abenteuer geht zu Ende. Noch bleiben wir aber an Bord und schlafen ohne Wellen und ohne Krängung endlich wieder einmal richtig erholsam. Die warme Süsswasserdusche am nächsten Morgen tut ihr übriges zum guten Körpergefühl. Nachdem wir die letzten Spuren des Lebens auf See beseitigt haben, bringen wir auch das Boot wieder auf Vordermann. Dabei sammeln wir alle unsere Gegenstände und Kleider zusammen, welche wir in den letzten zwei Monaten übers Schiff verstreut haben, packen unsere Rucksäcke und reinigen die Kabine.

Zu viert fahren wir am nächsten Morgen mit einem Taxi von der Marina in die Innenstadt von Lissabon. Auch wenn das Bett unserer Unterkunft sehr verlockend ist, wir wollen die Stadt erkunden. Reiseleiter Philip übernimmt die Führung, schliesslich war er schon mehrere Male in Lissabon. Schnell sehen wir die berühmten gelben Strassenbahnen, die sich seit 1901 ihren Weg durch die schmalen Gassen, engen Kurven und über touristische Plätze suchen. Es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Beschleunigung die alten Holzkisten auf den steilen Strassen anfahren. Flach verlaufen die Strassen hier nur selten, denn die Stadt zieht sich insgesamt über sieben Hügel. Auf den oben angelegten Plätzen oder Parks bietet sich daher eine wunderbare Sicht über die gesamte Stadt und den dazugehörigen Fluss Techo.

 

Es gäbe vieles zu sehen in dieser farbenfrohen Stadt. Tausende Häuser sind mit Keramikkacheln in den unterschiedlichsten Farben und Mustern geschmückt und in der „Bairro Alto“, der Oberstadt, reihen sich Bars und Restaurants aneinander. Doch auch wenn uns die Stadt sehr gefällt, zieht es uns sehr bald weiter. Der Drang unsere Freunde und Familien zu sehen wird immer grösser. Umso mehr, als dass die Familie von Marilyne am nächsten Tag mit dem Flieger in Málaga landet und ihre Ferien für eine Woche auf einer Finca verbringt.

Voller Vorfreude verlassen wir Lissabon spätabends mit einem Bus. Nach einer Nacht mit wenig Schlaf erreichen wir den Flughafen von Málaga etwas zu spät, um die Familie schon hier überraschen zu können – denn der Flieger ist bereits seit über 2 Stunden am Boden. So machen wir uns mit dem  Mietwagen auf den Weg und suchen die Finca auf eigene Faust. Nur wenige sind eingeweiht, wann und ob wir überhaupt aufkreuzen. Dementsprechend gross ist die Überraschung und die Freudentränen, als wir plötzlich mit den Rucksäcken in der Eingangstüre stehen. Nur Amina schaut uns etwas verwirrt an, denn das Patenkind von Marilyne kennt uns bisher nur aus Videoanrufen. Wäre unsere Weltreise ein Kind, wäre sie also etwa in ihrem Alter.

Die Tage verfliegen nur so und es scheint, als müssen wir uns kurz nach dem Wiedersehen auch schon verabschieden. Doch anders als sonst heisst es nun: Bis nächste Woche!


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